Frauen haben Nachholbedarf bei der aktiven Beteiligung am Kapitalmarkt. So weit, so bekannt. Mit dem Thema "Kryptowährungen" wurde die Diskussion jetzt aber um eine interessante Facette reicher. Denn der jüngste Absturz von Bitcoin & Co wirft die Frage auf, ob in diesem Fall ein geringeres Engagement nicht eher von Vorteil ist.

Monika Rosen ist Börsen-Expertin und Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft. Mehr als 20 Jahre war sie Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Twitter: @Monika_Rosen
Monika Rosen ist Börsen-Expertin und Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft. Mehr als 20 Jahre war sie Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Twitter: @Monika_Rosen

Laut Zahlen der Kryptobörse Gemini sind in den USA immer noch drei Viertel aller Krypto-Investoren männlich. Damit ist der Abstand zwischen den Geschlechtern in keiner anderen Anlageklasse höher. Dass Frauen dem Thema "Krypto" ablehnend gegenüberstehen, ist allerdings ein Trugschluss. Laut Germini stellen sie bereits die Mehrheit, nämlich 53 Prozent, derjenigen dar, die sich für Kryptowährungen interessieren.

Und wenn man beginnt, nach den Gründen für die Zurückhaltung beim Einstieg zu fragen, erhält man einige interessante Erkenntnisse. So haben mehr Männer (30 Prozent) als Frauen (25 Prozent) Bedenken wegen Sicherheitsmängeln. Und auch mehr Männer (19 Prozent) als Frauen (17 Prozent) beklagen die fehlende Regulierung. Hier hat die Talfahrt von Bitcoin von 70.000 Dollar letzten November auf unter 20.000 das ihrige dazu getan, diese Sorgen noch zu verstärken.

Aber die US Wertpapieraufsicht SEC will jetzt nachbessern. Ihr Chef, Gary Gensler, hat in der Vergangenheit an der US-Elite-Universität MIT ein Seminar zu Kryptowährungen abgehalten und gilt daher nicht von ungefähr als bestens geeignet für diese Aufgabe. Letztlich geht es um die Frage, ob sich Bitcoin als Anlageklasse dauerhaft etablieren kann.

Natürlich wird nicht jede Kryptowährung überleben, aber auch nicht jede Internetfirma hat überlebt. Dem Internet als solches hat das keinen Abbruch getan. Ob Krypto ein ähnlicher Erfolg beschieden sein wird wie dem World Wide Web, sei noch dahingestellt. Aber der ursprüngliche Gedanke von Bitcoin, nämlich für mehr Chancengleichheit am Kapitalmarkt zu sorgen, würde jedenfalls für eine größere Beteiligung von Frauen sprechen. Damit würde Bitcoin aber auch stärker in die Nähe einer konventionellen Anlageklasse rücken, was einen gewissen Widerspruch zum Ursprungsgedanken darstellt.