Bürgermeister Michael Häupl wird die Rechnung bezahlen müssen. Auch wenn er das so sicher nicht intendiert hat: Denn österreichische Bauarbeiter werden sich verschaukelt fühlen, verraten, verkauft und verlassen. Auf den SPÖ-Plakaten für die Wiener Wahl sieht man zwei große, starke Männer mit gelben Helmen, die es so in Wirklichkeit gar nicht gibt. Zumindest nicht in meinem Bezirk. Denn auf den Baustellen in Gürtelnähe gibt es keinen einzigen gebürtigen Österreicher - hier sind es magere Rumänen und Albaner, die im Sommer bei 35 Grad auf dem Dach schufteten, und stiernackige, brüllende Vorarbeiter aus Ex-Jugoslawien unten auf der Straße. Sonst gibt es noch viele fleißige Polen und Serben.

60 Prozent der Arbeiter wählten bei den vergangenen Wahlen in der Steiermark die FPÖ, und als ORF-Journalist Hans Bürger bei den ORF-Sommergesprächen Kanzler Werner Faymann nach "seinen" hiesigen Arbeitern fragte, antwortete dieser dreimal mit den Arbeitslosen. Stimmt ja auch: Für viele Unternehmen äußerst billige Arbeitskräfte aus anderen Ländern sind am Bau beschäftigt, nicht wenige Einheimische bevölkern das Arbeitsamt. Letztere streiken bei den vorherrschenden (krankheits- und profitfördernden) Arbeitsbedingungen und wählen still und heimlich die FPÖ. In Wahrheit geht es nicht um inländische versus ausländische Arbeiter, sondern die große Enttäuschung besteht darin, dass die SPÖ die Unternehmen einfach machen lässt - egal wie stark diese noch die Schrauben andrehen.

Es sind nicht die Syrien-Flüchtlinge, die der FPÖ derzeit so einen Höhenflug in den Wahlprognosen bescheren, denn jeder bekommt mit, wie der Krieg in Syrien ähnlich den Folgen des Zweiten Weltkrieges "privatisiert" und in die Familien verlagert wird. Jeder arbeitslose Hackler vor dem Bildschirm erkennt, dass diese Menschen von einer gewaltigen Kriegskraft hinweggespülte Familien sind. Gegen die kann doch niemand sein. Es muss andere Gründe haben, dass so viele Arbeiter einen gelernten Zahntechniker wählen. Wenn die SPÖ Arbeiter nur noch als Arbeitslose mitdenkt und auf ihren Plakaten stolz auf Zustände hinweist, die einheimische Bauarbeiter verärgern, wird sie schlecht abschneiden.

"Mach mir keine Memories", sagte mir jüngst ein Wiener Hackler in Pension, der zugab, Jörg Haider "auf den Leim gegangen" zu sein. Mit "Memories" meinte er die unbewussten Stellen in seinem Bewusstsein, die ein echter Menschenfänger ansprechen kann. Blinde Flecken sozusagen, wunde Stellen, die nur halbbewusst sind. Bei Berührung Schmerzen und sogartige, magnetförmige Reaktionen auslösen. "Haider war ein Meister der Memories, er spielte mit unbewussten Erinnerungen. Der Strache macht ja kein Unterbewusstes", meinte dieser Hackler, der keine Matura hat und sein Leben lang Wohnungen renovierte, lachend. HC Strache sei nicht gewieft genug, um "Memories" zu platzieren, und auf ihren Wahlplakaten drücke die FPÖ alles so klar aus, dass sich niemand täuschen könne, wer hier die Armen seien. Es ginge um eine "Lizenz zum Geldausgeben". Das sei mir "klar wie Kloßbrühe", meinte ich, um auch einmal eine "Memory" anzusprechen, die oft über Redewendungen oder innere Bilder funktionieren.