Christian Ortner.
Christian Ortner.

Für Österreichs Sparer ist 2016 mittlerweile das verflixte siebente Jahr: Denn so lange ist es mittlerweile her, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen de facto abgeschafft hat. Geht das noch länger so weiter - was zu erwarten ist -, werden sich bald nur noch ältere Menschen an eine Zeit erinnern können, in der man fürs Ersparte Zinsen bekam.

Werden die Zinsen von der Zentralbank so lange künstlich so tief gehalten, hat das unter anderem zur Folge, dass der Unterschied zwischen den Vermögen der Reichen und jenen der weniger Begüterten ganz automatisch immer größer wird. Die Abschaffung der Zinsen durch die EZB zusammen mit dem Drucken vieler Milliarden Euro pro Monat aus dem Nichts - eine Maßnahme, die gerade von der politischen Linken in Europa stets beklatscht worden ist - macht in Wahrheit Reiche reicher und weniger Reiche weniger reich.

Und zwar aus einem sehr einfachen Grund: Während Reiche traditionell einen Großteil ihres Vermögens in Aktien, Immobilien und anderen Sachwerten angelegt haben, sparen die niedrigeren Stände üblicherweise mit dem Sparbuch oder vergleichbaren Instrumenten der Geldanlage. Nicht weil sie zu blöd sind, sondern weil sie es sich viel weniger als Reiche leisten können und wollen, große Risiken einzugehen. Jemand, der ein Drittel seines Vermögens von zehn Millionen in Aktien angelegt hat, kann einen Börsencrash lockerer wegstecken als jemand, der sich für das Alter ein paar hunderttausend Euro erspart hat.

Deshalb ist auch eine ziemliche Chuzpe, was EZB-Präsident Mario Draghi jüngst im Gespräch mit einem österreichischen Spitzenbanker so en passant von sich gegeben hat: Wenn die Altersvorsorge mangels Zinsen nicht mehr funktioniere, müssten die Banken den kleinen Sparern eben risikobehaftete Anlageformen nahelegen. Zocken mit dem Ersparten der Oma, so kann man das als Ex-Goldman-Sachs-Banker natürlich auch sehen.

Das heißt, falls man das doch nicht für so eine gute Idee hält, aber natürlich: Wer gezwungen ist, in (eh nur vermeintlich) risikolosen Sparformen anzulegen, der wird durch die Abschaffung der Zinsen langsam, aber sicher enteignet. Denn dank der Inflation wird sein Vermögen real immer kleiner. Anders bei Besitzern von Aktien und Immobilien: Deren Wert steigt dank der Gelddruck-Politik der EZB in den meisten Fällen stark, kleine Rückschläge inbegriffen. Den Besitzern großer Vermögen kann die Nullzinspolitik der EZB reichlich egal sein; und von der Politik des Schaffens von Geld aus dem Nichts profitieren sie sogar erheblich.

Das wird auch langfristig zu erheblichen Ungerechtigkeiten führen. Denn während die Altersvorsorge der vermögenderen Schichten von dieser ungesunden Politik der EZB natürlich in erheblichem Ausmaß profitiert, wird es dem Mittelstand de facto unmöglich gemacht, selbst und in Eigenverantwortung für den Ruhestand vorzusorgen. Die soziale Fallhöhe zwischen jenen, die sich im Alter mit Golf die Zeit vertreiben, und jenen, die sich dann keinen Urlaub mehr leisten können, wird dank EZB noch schlimmer werden. Die EU rühmt sich ja regelmäßig ihrer weltweit führenden sozialen Kompetenz. In der Politik ihrer Zentralbank schlägt sich das nicht wirklich nieder; ganz im Gegenteil.