Es dürfte in der Geschichte der USA noch nicht allzu oft vorgekommen sein, dass ein neu gewählter Präsident bereits vor seiner Vereidigung erhebliche wirtschaftspolitische Erfolge für sich reklamieren kann.

Christian Ortner.
Christian Ortner.

Ausgerechnet Donald J. Trump, der in Europa ja eher unter Schwachsinnsverdacht steht, ist dies gelungen, sogar in recht beachtlichem Umfang. Nachdem er im Wahlkampf versprochen und auch danach bekräftigt hat, künftig hohe Zölle auf Autos einzuheben, die (oft von US-Konzernen) in Mexiko gefertigt werden, reagieren nun mehrere Hersteller wie gewünscht: Sie produzieren künftig wieder mehr in den USA und weniger in Mexiko, entsprechende Verlagerung von Jobs inbegriffen. Ford strich erst dieser Tage Pläne, 1,6 Milliarden Dollar in ein neues Werk in Mexiko zu investieren, und kündigte stattdessen an, 700 Millionen in den Ausbau seiner Werke in Michigan zu stecken. Toyota wird bis 2022 rund 10 Milliarden Dollar in den USA investieren, statt den neuen Corolla in Mexiko zu produzieren. Und Fiat-Chrysler wird seine US-Werke für 2,5 Milliarden Dollar auf Vordermann bringen, um dort den Jeep Wagoneer neu aufzulegen. Die Frage, ob der Konzern seine Fabriken in Mexiko schließen werde, beantwortete Firmenchef Sergio Marchionne lakonisch: "Das ist durchaus möglich."

Dabei geht es in Summe um zehntausende Jobs. Für Trump und seine Wähler sind das zweifellos "Good News". Dass der noch nicht einmal angelobte Präsident das alles mit einem Wahlversprechen, ein paar Telefonaten und kantigen Tweets erreicht hat, wird seiner Popularität nicht gerade schaden - Trumponomics funktionieren offenbar.

Doch was vor allem Trumps Wählern in den traditionellen industriellen Herzkammern der USA, etwa rund um den Michigan-See, wie ein Triumph des wirtschaftspolitischen Willens erscheinen mag, wird am Ende einen hohen Preis haben, nicht zuletzt zu begleichen von all jenen, die Trump nun als Retter von Jobs bejubeln. Zwar werden diese nun von Mexiko über die Grenze in den Norden zurückkehren, doch dadurch werden zwangsläufig die Herstellungskosten von US-Autos erhöhen. Und die Hersteller werden so reagieren wie alle anderen Unternehmen: Sie werden die Preise entsprechend erhöhen. Den zusätzlichen Jobs werden daher höhere Kosten für das Autofahren gegenüberstehen, was gerade in den USA eher die sozial schwächeren Schichten (die dort ja auch ein Auto brauchen) treffen und damit die Kaufkraft schwächen wird.

Dazu kommt, dass Industrien, die der Staat mit Zöllen vor Wettbewerb schützt, meist dazu neigen, weniger innovativ zu werden. Am Ende dieses Prozesses stehen Produkte, die nur noch auf dem geschützten Heimmarkt verkäuflich sind, aber sonst nirgendwo.

Und ausländische Investoren werden sich langfristig wohl gut überlegen, ob sie in ein Land investieren, in dem traditionelle Rechtssicherheit durch wirtschaftspolitisches "Deal-Making" via Twitter abgelöst wird. Für jene Jobs, die Trump nun in die USA zurückholt, werden die Amerikaner also einen viel höheren Preis zahlen müssen, als den meisten heute bewusst sein dürfte. Das gilt übrigens auch für Europa, sollte hier die aufstrebenden sozialistisch-nationalistischen Bewegungen (Le Pen & Co) der Neuen Rechten ähnliche Strohfeuer entfachen wollen.