Keine offizielle Statistik über Doppelstaatsbürgerschaften

Wie oft eine solche Beibehaltung der österreichischen Staatsbürgerschaft bewilligt wird, wissen wir übrigens nicht. Obwohl die Republik hier auf keinerlei Informationen von anderen Staaten angewiesen ist, wird keine offizielle Statistik darüber geführt. Genauso wenig gibt es seriöse Zahlen über Doppelstaatsbürgerschaften per Geburt. Klar ist lediglich, dass ihre Zahl stark im Ansteigen ist. Im Zeitalter der europäischen Freizügigkeit und einer zunehmend vernetzten und kleinräumigen Welt ist binationale Partner- und Elternschaft keine Seltenheit mehr. Alleine schon deshalb ist Doppelstaatsbürgerschaft nicht zu verhindern und der Versuch, sie hintanzuhalten, eine Don-Quichotterie.

Monogame Staatsbürgerschaft als Anachronismus

Unter anderem auch deshalb haben viele Staaten ihre Position zur Frage der Doppelstaatsbürgerschaft revidiert und akzeptieren auch bei der Einbürgerung, was bei der Geburt ohnedies nicht verhindert werden kann. 18 der derzeit 28 EU-Staaten akzeptieren bereits Doppelstaatsbürgerschaften voll - ein Trend, der auch weltweit beobachtet werden kann.

Es ist nicht nur Pragmatismus, der hier zum Umdenken bewegt hat. Die doppelte Staatsbürgerschaft wird nicht mehr als das Übel gesehen, als das sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch gegolten hat. Die Staaten leben zunehmend im Frieden und sehen einander mehr als Partner denn als potenzielle Kriegsgegner. Damit schließt sich auch die gleichzeitige rechtliche Verbundenheit zu zwei Staaten nicht mehr per se aus. Und Fragen wie der Militär- oder Militärersatzdienst und der diplomatische Schutz lassen sich durch internationale Übereinkommen gut regeln.

Die Staatsbürgerschaft gilt als rechtliches Band, als der Ausdruck der Verbundenheit einer Person zu einem Staat. Die Realität zeigt, dass das für viele Menschen auf mehrere Staaten gleichzeitig zutrifft. Die Staatsbürgerschaft kann ein Abbild dieser Realität sein und diese mehrfache Beziehung auch rechtlich nachvollziehen. Wer die bisherige Staatsbürgerschaft aufgibt, verliert damit das unbedingte Recht auf Einreise und Aufenthalt, oft auch auf Grundbesitz oder Erbschaft im Herkunftsland. Die wenigsten Migrantinnen und Migranten der ersten Generation sind dazu bereit. Das gilt für ausgewanderte Österreicher ebenso wie für eingewanderte Türkinnen.

Die anachronistische Vorstellung einer monogamen Staatsbürgerschaft zwingt Menschen dazu, sich gegen etwas Bestehendes zu entscheiden, um Neues einzugehen. Wer Menschen als neue Bürgerinnen und Bürger willkommen heißen will, nimmt ihnen diesen unnötigen Zwang ab.