Marion Flegar ist Ernährungswissenschaftlerin und beschäftigt sich mit der Frauenbewegung. Foto: privat
Marion Flegar ist Ernährungswissenschaftlerin und beschäftigt sich mit der Frauenbewegung. Foto: privat

Der Muttertag ist jedem von uns gemeinhin bekannt. Die Kleinen ehren ihre Mama mit einem gelernten Gedicht, die Älteren kaufen Geschenke und Blumen. Der Tag, an dem die Restaurants vor Reservierungen aus allen Nähten platzen und der die Kassen der Geschäfte klingeln lässt, hat seine Wurzeln aber in einem weitaus ernsteren Thema, dem wir unsere Gesellschaft, wie sie ist, mit verdanken - der Frauenbewegung.

Vieles von dem, was wir heute als natürlich erachten, war vor gar nicht allzu langer Zeit nicht einmal denkbar. So selbstverständlich es ist, dass an der Entstehung neuen Lebens Mann und Frau gleichermaßen beteiligt sind, so fraglich war diese Gleichberechtigung in allen anderen Lebensbereichen der Frau. Wie bereits die deutsche Politologin Michaela Karl beschrieb, wurde die Frau lange Zeit, wie in der Geschlechtsvormundschaft vorgesehen, aus der Obhut des Vaters direkt in jene des Ehemannes übergeben, der folglich ihr Rechtsvertreter war. Die Ehefrau besaß weder Vermögen noch Recht auf Eigentum, und im Scheidungsfall blieb sie mittellos zurück und war auch aufgrund der von der Gesellschaft verwehrten selbständigen Berufstätigkeit zur Hilflosigkeit verurteilt.

Daniel Witzeling ist Psychologe und Leiter des Humaninstituts Vienna (Buchtipp: "Wenn der Wind sich dreht: Zeitfenster in eine neue politische Ära", Verlag Frank & Frei). Foto: privat
Daniel Witzeling ist Psychologe und Leiter des Humaninstituts Vienna (Buchtipp: "Wenn der Wind sich dreht: Zeitfenster in eine neue politische Ära", Verlag Frank & Frei). Foto: privat

Erfolge bei Themen wie Zugang zu Bildung, Schutzgesetze für Mütter und das Wahlrecht für Frauen wurden erst im Laufe der Jahre hart erkämpft. Eine der angesehensten Frauenrechtlerinnen war die US-Schriftstellerin Julia Ward Howe (1819 bis 1910), die 1872 mit dem Vorschlag zur Einführung eines Muttertages zur damaligen Zeit Aufsehen erregte. Auch die Pastorengattin Ann Maria Reeves Jarvis (1832 bis 1905) warb aktiv um den Muttertag, den endgültigen Erfolg hierbei hatte allerdings erst ihre Tochter Anna Marie Jarvis. Der erste offizielle Muttertag wurde 1908, am dritten Todestag von Ann Maria Reeves Jarvis, begangen.

Da der Grundgedanke des Muttertags ursprünglich auf Sozialdienst und Protest gegen Krieg basierte, war Anna Marie Jarvis die zunehmende Kommerzialisierung des Feiertages ein Dorn im Auge, und sie wurde zu einer glühenden Bekämpferin des von ihr einst herbeigeführten Feiertags.

Kampf um Gleichberechtigung


Fortuna war ihr bei diesem Unterfangen jedoch wenig hold, und so boomt das Geschäft mit dem Muttertag mehr denn je. Und auch wenn die heutige Zeit uns oft den Eindruck vermittelt, dass der Kampf um Gleichberechtigung bereits gewonnen wäre, so trifft man auch jetzt noch immer wieder auf Blasen, die im Latenten gewachsen sind und nun platzen. Wo Frauen sexuell belästigt und unterdrückt, oder - wie Jack Nicholson einmal in einem Hollywood-Streifen so schön sagte - lediglich als Männer bezeichnet werden, denen Verstand und Zurechnungsfähigkeit wegsubtrahiert wurden.

Doch bei allen Diskrepanzen wollen wir den Muttertag hiermit dennoch einfach als das feiern, was er für die meisten Menschen heute ist: eine großartige Chance, seiner Mama für all die schönen Dinge, die sie uns gelehrt hat, zu danken. Sich bei ihr für Geduld, Empathie und grenzenlose Liebe zu bedanken, die sie uns zu Teil werden hat lassen. In diesem Sinne wünschen wir allen wunderbaren Müttern dieser Welt alles Liebe zum Muttertag.