Florian Unterberger war Vorsitzender der Katholischen Jugend Wien (2001 bis 2003) und ist jetzt Pressesprecher einer Anwaltskanzlei in Wien. - © privat
Florian Unterberger war Vorsitzender der Katholischen Jugend Wien (2001 bis 2003) und ist jetzt Pressesprecher einer Anwaltskanzlei in Wien. - © privat

Weltfremd und gefühllos - diesem Vorwurf setzt man sich wohl zu Recht aus, wenn man von der laufenden Jugendsynode im Vatikan nicht zuallererst eine Lösung für die erschütternde Missbrauchsproblematik einfordert. Dürfte doch die jüngste Studie der Deutschen Bischofskonferenz - trotz aller methodischer Angriffspunkte - zwei Befürchtungen bestätigen: Das Problem mag zwar inzwischen deutlich reduziert sein, gelöst ist es aber beileibe nicht. Und: Die kirchlichen Besonderheiten scheinen die Anfälligkeit für Missbrauch signifikant zu erhöhen.

In dieser Situation zur Tagesordnung überzugehen, wäre ein zweiter Verrat an den unzähligen Opfern. Doch dafür kurzfristig die Anliegen aus der Befragung hunderttausender Jugendlicher auf der ganzen Welt vom Tisch zu wischen, macht die Situation nicht besser. Dem Thema Missbrauch eine eigene Versammlung zu widmen, ist deshalb wohl der ehrlichere Weg, als die Jugendsynode abzusagen.

Dass das Treffen der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen erst für Februar 2019 angesetzt wurde, wirkt auf den ersten Blick wie eine skandalöse Verzögerungstaktik. Auf den zweiten Blick könnte das aber genau jene Zeitspanne sein, die eine schwerfällige Institution wie die Katholische Kirche benötigt, um für die tiefgreifenden Veränderungen bei den Themen Klerikalismus und Zölibat bereit zu sein, die sich jetzt hoffentlich nicht mehr aufhalten lassen. Dass es gewonnene und keine verlorenen Monate werden, dafür werden nicht nur die Medien sorgen - sondern auch die innerkirchlichen Reformkräfte.

- © afp/A. Solaro
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Auf die Frage anlässlich der Jugendsynode, welche Wünsche denn junge Menschen an die Kirche hätten, kamen mir spontan die Anliegen in den Sinn, die ich vor 17 Jahren auf einer Bühne vor dem Stephansdom formulieren durfte. Was mich selbst überrascht hat: Bei allen Anliegen von damals gibt es substanzielle Fortschritte oder zumindest Anzeichen der Hoffnung. Die allseits wahrgenommene Reformresistenz der Katholischen Kirche hält zumindest in diesen Bereichen einer ehrlichen Analyse nicht stand.

Raus aus den Schlafzimmern, raus aus dem Elfenbeinturm

Der erste Wunsch lautete: Raus aus den Schlafzimmern. Als Chef der Glaubenskongregation hatte Kardinal Joseph Ratzinger in den 1990ern die Sexualmoral zum dominierenden kirchlichen Thema gemacht. Es ist fast ein Treppenwitz der Geschichte, dass er später als Papst Benedikt XVI. wieder die eigentliche Kernbotschaft des Christentums in den Mittelpunkt stellte: "Gott ist die Liebe!" Und was Benedikt XVI. verkündete, lebt Papst Franziskus jetzt authentisch vor.