Der zweite Wunsch: Raus aus dem vatikanischen Elfenbeinturm. Die Menschen waren noch nie so gebildet wie heute, noch nie war es so wichtig, auf den Glaubenssinn der Menschen zu hören. Papst Franziskus ist dabei, eine radikale Wende weg von einer zentralistischen hin zu einer synodalen Kirche zu vollziehen. Bei den regelmäßigen Versammlungen wird jetzt nicht nur bis zur Schmerzgrenze offen diskutiert, über weltweite Befragungen und Delegierte werden auch Laien intensiv eingebunden. Zum ersten Mal habe ich den Eindruck: Die Kirche hört hin, um zu verstehen - und nicht, um zu antworten. Wenn sich diese Haltung bis in die Diözesen durchschlägt, ist der wichtigste Schritt zur Zukunftsfähigkeit der Kirche getan.

Schluss mit weltfremdem Klerikalismus, Mut zur Vielfalt

Das führt unmittelbar zum dritten Wunsch: Schluss mit dem weltfremden Klerikalismus. Die Vorstellung, mit der Priesterweihe würde nicht nur eine seelsorgliche Begabung, sondern auch ein Talent für Mitarbeiterführung, Pfarrfinanzen oder Organisationsentwicklung einschießen, ist einfach absurd. Dieser Klerikalismus verhindert nicht nur optimale Ergebnisse, er vertreibt auch die begabtesten Mitarbeiter. Nutzen wir die Talente von Laien und geben ihnen echte Leitungsverantwortung - und entlasten wir gleichzeitig die Priester von diesem krankmachenden Universalgenieverdacht. In der Wiener Diözesanreform sind erste Ansätze zu einem Umdenken erkennbar - aber ob man sich auch über die Realisierung drübertraut, ist noch sehr ungewiss.

Der letzte Wunsch: Mut zur Vielfalt. Wenn die "alte Messe" wieder zulässig ist, warum dann nicht endlich auch wirklich moderne Messen? Es gibt so viele Möglichkeiten, Gottes Liebe zu feiern, wie es Menschen gibt. Wenn wir uns einig sind in dem, was wir feiern, können wir uns auch viel mehr Vielfalt trauen, wie wir feiern. Der Erfolg der Event-Gottesdienste "Find Fight Follow" hat gezeigt, dass man mit einer zeitgemäßen Liturgie ein Vielfaches an Menschen spirituell berühren könnte. Es wird Zeit, dass diese mutigen Aufbrüche nicht nur stillschweigend gutgeheißen werden.