Wenn die gesellschaftlich notwendigen Leistungen nicht mehr von der öffentlichen Hand finanziert werden können, dann bedarf es privater Initiative. Bedauerlich ist es nur, wenn durch staatliche Verschuldung eine Gesellschaft in diese Notlage gerät, vor der die Gemeinschaft sich im Grunde bewahren sollte. Ein Gegenbeispiel bietet Japan, wo zumindest die notwendigen Kreditmittel sehr weitgehend von der japanischen Bevölkerung selbst bereitgestellt werden.

Es gibt viele Ideen, Staaten vor zu hohen Schulden zu bewahren und die handelnden Personen davor zu schützen, zu hohe Verbindlichkeiten einzugehen. Denn die Entscheidungsträger können abgewählt werden. Interessanterweise fallen in die Zeit, in der diese Mechanismen wieder stärker diskutiert werden, ausgeglichene Staatsbudgets und sogar Schuldentilgungen.

Staatliche Verschuldung
und Vertrauensschaden


Doch angesichts der aufgebauten Schuldenberge wird es noch viel Zeit brauchen, bis die Staatsschulden wieder abgebaut sind. Wäre eine Korrektur, zum Beispiel ein echter Schuldenerlass, das Eingeständnis eines systemischen Ungleichgewichts in den Austauschbeziehungen von Staaten, zwischen denen die Handelsbilanz nicht ausgeglichen ist, und würde einen Neuanfang erleichtern?

Wohl den Staaten, die ihr Vermögen nicht gänzlich aufbrauchen müssen, um Schulden zurückzuzahlen, oder sogar ein Vermögen aufbauen wie Norwegen mit seinem staatlichen Pensionsfonds. Kredite ermöglichen einen konsumtiven oder investiven Vorgriff, verbunden mit einer Umverteilung, wie sie sinnbildlich aber teilweise irrtümlich auch mit der Rettung der in der Finanzmarktkrise in Schwierigkeiten geratenen Kreditinstitute verbunden wird.

Der Vertrauensschaden für einen in seinen Handlungen in der Gegenwart eingeschränkten und sich durch zusätzliche Kredite weiter verschuldenden Staat ist beträchtlich. Wir sollten zwar nicht an der gewachsenen Eigentumsordnung rütteln, aber uns dauerhaft nötiger Ausgleichsmechanismen bewusst bleiben. Dabei tragen auch (gemeinnützige) Genossenschaften in den verschiedensten Bereichen wie zum Beispiel dem Wohnen zu einem sozialen Ausgleich bei, wie ihn konstruktionsbedingt der Markt nicht allein zu erbringen in der Lage ist.

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