Alexander U. Mathé
Alexander U. Mathé

Die Affäre um den Bau des Krankenhauses Nord ist Ausdruck eines Zeitgeists, in dem Chefposten oft nicht mehr mit einer größeren Verantwortung, sondern offenbar lediglich mit einer besseren Bezahlung einhergehen. Der ehemalige Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbunds, Wilhelm Marhold, sagt, die Warnungen des Rechnungshofs vor einem Bietersturz im Jahr 2012 seien gar nicht seine Sache gewesen. Dafür sei das operative Management verantwortlich gewesen. Sein Nachfolger Udo Janßen insinuiert, dass schon unter Marhold etwas nicht gestimmt haben dürfte und er nur die Suppe auslöffeln musste. Gleichzeitig verweist er auf das Stadtratsbüro, von dem die wichtigen Entscheidungen ausgegangen seien. Die ehemalige Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely wiederum sagt, die operative Verantwortung liege nicht im Stadtratsbüro, sondern beim Management. Eine der wichtigsten Fragen der Untersuchungskommission - die Frage nach der Letztverantwortung - ist somit bis heute unbeantwortet geblieben. Dass das so ist, hat offensichtlich System. Denn selbst bei Durchsicht des offiziellen Organigramms des KH-Nord-Projekts mit Sonja Wehsely konnte die Frage nicht befriedigend beantwortet werden. Fraglich ist, ob die Führungskräfte den Bau des eigenen Hauses auch so angehen würden.