Tamara Arthofer ist Leiterin des Sport-Ressorts der "Wiener Zeitung".
Tamara Arthofer ist Leiterin des Sport-Ressorts der "Wiener Zeitung".

Nein, es war kein Tippfehler, als Jörg Jakob, der Chefredakteur des deutschen Fußballmagazins "Kicker", seine Kolumne zum Champions-League-Achtelfinale mit den Worten "Harter Dexit!" betitelte. Denn während die Briten und mit ihnen ganz Europa darüber rätseln, ob, wie und wann denn der Brexit, der Austritt aus der EU also, vollzogen werden soll, haben die Deutschen das in ballestrischer Hinsicht schon hingekriegt. Die wissen halt, wie’s geht, könnte man zynisch meinen. Nach dem 1:3 des FC Bayern im Rückspiel gegen Liverpool steht nun fest, dass erstmals seit 2006 kein Vertreter der Bundesliga im Kreis der besten acht Vereine der Champions League steht. Dafür sind bei der Auslosung am Freitag in Nyon gleich alle vier englische Vertreter in den Lostöpfen. Besonders niederschmetternd fällt die Bilanz der deutschen Vertreter im direkten Vergleich mit den Briten aus: Aus sechs Spielen gab es fünf Niederlagen, ein torloses Remis und eine Tordifferenz von 3:17. Schießt Geld also doch Tore? Immerhin sind unter den Top Ten der von Deloitte herausgegebenen Umsatzrangliste im Fußball sechs englische Klubs zu finden, die Premier League ist - mit Abstand - dank TV-Verträgen, eines historischen Vorsprungs in der weltweiten Vermarktung und des Geldes großteils ausländischer Investoren die finanzstärkste aller Topligen. Doch das gilt freilich schon seit Jahren. Mit einem Champions-League-Titel hat sich das allerdings seit Chelseas Triumph 2012 nicht niedergeschlagen. Und dass der Trend anhält, ist auch angesichts des Ob-wann-vielleicht-aber-wie?-Brexit längst nicht ausgemacht. Die Bundesliga täte also gut daran, nicht neidisch auf die Insel zu blicken, sondern an ihren eigenen Stärken zu arbeiten. Aber dazu sind die Klubs derzeit zu sehr mit den Schwächen beschäftigt. Der Dexit bietet eine Nachdenkpause. So bitter er ist - dieser Austritt muss zumindest nicht endgültig sein.