Raya Haffar al-Hassan ist die Erste, die es in der Arabischen Welt geschafft hat, Innenministerin zu werden. "Ich muss beweisen, dass Frauen fähig sind, dieses außergewöhnliche Portofolio zu übernehmen", sagte die Libanesin bei ihrem Amtsantritt vergangenen Monat. Und das hat sie offensichtlich vor, beeindruckend unter Beweis zu stellen. Gleich zu Beginn hat sie Bestechung und Freunderlwirtschaft den Kampf angesagt: "Ich habe null Toleranz, was Korruption angeht", erklärte sie gegenüber der Tageszeitung "The National" aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Eine mutige Ansage in einem Land, das im Korruptionsindex von Transparency International an Stelle 138 von 180 liegt. An Mut mangelt es der 52-Jährigen nicht. Ihre erste Amtshandlung war es, die Betonblöcke vor dem Innenministerium in Beirut entfernen zu lassen, damit der Verkehr in diesem belebten Stadtteil wieder frei fließen kann. Zur Politik ist al-Hassan durch Zufall gekommen. Nach ihrem Wirtschaftsstudium an der amerikanischen Universität Beirut und an der George Washington in der US-Hauptstadt arbeitete sie in der Bank Med von Rafiq Hariri. Als dieser 1992 - zwei Jahre nach Ende des Bürgerkriegs - Ministerpräsident wurde, holte er kompetente Angestellte seiner Bank in die Verwaltung. Sie sollten das de facto inexistente Finanzministerium aufbauen. Unter diesen Angestellten war auch die damals 25-jährige al-Hassan. Schon bald erarbeitete sie sich einen Ruf als effiziente Arbeiterin. Sie beriet das Wirtschaftsministerium und schließlich Rafiq Hariri selbst. Nach dessen Ermordung im Jahr 2005 arbeitete sie unbeirrt für die libanesische Regierung weiter. Auch als die Terrormiliz Hisbollah vor dem Regierungssitz demonstrierte und mit Scheinwerfern in das Gebäude leuchtete, bewahrte sie Ruhe. Eine Mitarbeiterin berichtet, al-Hassan habe gegenüber den verängstigten Mitarbeitern lediglich erklärt, dass der Tumult nichts an der noch zu erledigenden Arbeit ändere. 2009 wurde al-Hassan Finanzministerin - ebenfalls als erste in der Arabischen Welt. Es herrscht kaum Zweifel, dass sie als Innenministerin ebenfalls unbeirrt ihren Weg gehen wird. Abseits der Korruption hat sie sich noch andere Großprojekte vorgenommen, bei denen mit Widerstand zu rechnen ist. So will sie etwa die zivilrechtliche Ehe einführen. Derzeit ist es im Libanon lediglich möglich, religiös zu heiraten, wobei es auch hier noch interreligiöse Restriktionen gibt. Ein besonderes Anliegen ist ihr der Kampf gegen Gewalt an Frauen. "Ich werde mit aller Kraft der Sicherheitskräfte vorgehen, um Frauen zu schützen", sagte sie "The National". Schafft al-Hassan alle ihre Vorhaben, würde sie nicht nur für ihre drei Töchter, sondern für alle libanesischen Frauen und Männern eine bessere Welt schaffen.