Heutzutage muss man wirklich aufpassen. Hat man eine üppig blühende Forsythie mit passabel fotogenem Hintergrund im Vorgarten stehen? Zack, kommt schon die Instagram-Meute. Oder noch gefährlicher: Zierkirsche. Weil rosa. Und rosa besonders begehrt bei den Social-Media-Hobbyfotografen.

Gut, im privaten Bereich passiert das vielleicht nicht ganz so oft. In größeren Relationen häuften sich die Begebenheiten freilich jüngst. Letzte Woche musste ein Feld in Kalifornien gesperrt werden, weil dort die sogenannte "Superblüte" stattgefunden hat. Eine orange Blumenpracht zog sich über den ganzen Canyon und fand sich alsbald in allen Bilderteilkanälen des Netzes. Dabei scherten sich die Fotografierenden trefflich wenig um den Zustand der Blüten, wenn sie wieder wegfuhren: Gar viele trampelten unachtsam die Blümchen nieder. Da mag der Schaden lieblos, aber trotzdem überschaubar gewesen sein. In der Maya-Bucht in Thailand und neuerdings in der Fjadrargljufur-Schlucht im Süden Islands gestaltete sich das gröber - hat aber dieselben Folgen: Touristen und Ausflügler werden erst einmal ausgesperrt. Der Natur soll nun ein paar Monate Zeit für die Heilung gegeben werden.

Es ist ein bedenkliches, aber auch irgendwie symbolhaftes Zeichen der Zeit, dass viele ein Foto für die Ewigkeit machen wollen, sich aber nicht dafür interessieren, dass das Fotografierte auch tatsächlich für die Ewigkeit bestehen bleibt. Nach mir die Sintflut, aber Hauptsache, die Frisur am Selfie sitzt!