Vor zwei Wochen gab das Volkstheater seine Auslastungszahlen für das Vorjahr bekannt. Anna Badora und ihr kaufmännischer Leiter Cay Stefan Urbanek mussten ein desaströses Ergebnis verkünden: 52,4 Prozent betrug die Auslastung. Das bedeutet, das Volkstheater ist trotz Verringerung der Sitzplätze von 970 auf 850 praktisch halbleer. Dass sich das nicht rechnen kann, ist keine schwere Kalkulation. Auch für Kandidaten, die sich um die Nachfolge Badoras beworben hatten. Und für die Findungskommission, die die Kandidaten dieser Tage zum Hearing geladen hatten. Eine Entscheidung war für Ende März erwartet worden - immerhin verantwortet Anna Badora nur mehr die kommende Spielzeit.

Nun hat offenbar keiner der Kandidaten ein Konzept vorgelegt, das eine wunderbare Geldvermehrung vorsehen würde. Im Gegenteil: Die Jury weigerte sich, einen Kandidaten auszuwählen, solange die finanzielle Situation des Theaters nicht von außen geklärt wird. Dass es diese schmerzliche Unterdotierung gibt - und ein Mehrbedarf von drei Millionen Euro pro Jahr ist da nicht einmal unverschämt -, ist freilich lange bekannt. Diese theatralische Wendung unter Zeitdruck hätte sich vermeiden lassen. Wenn sie dem Chaos entsprungen ist, ist das bitter. Wenn sie Strategie war, hat sie das Problem, dass sie wie eine glatte Erpressung an den Bund wirkt - der in Person von Kulturminister Blümel nun bereits eine Subventionserhöhung ausgeschlossen hat. Eine absehbare Reaktion, die man sich wiederum auch ausrechnen hätte können.