Was tun, wenn man ein Meisterwerk aufführen will, aber Rechtsfragen samt Political Correctness widersprechen? In Ungarn sieht das dann so aus: 15 Sänger der Ungarischen Staatsoper erklären sich schriftlich zu "Afro-Amerikanern", obwohl sie zweifellos keine Afro-Amerikaner sind.

Hintergrund ist, dass die Rechtsinhaber von George Gershwins Oper "Porgy and Bess" verlangen, dass diese Oper, die unter Schwarzen spielt, nur von schwarzen Sängern aufgeführt werden darf. Die Ungarische Staatsoper spielt das Werk ausschließlich mit Weißen und läuft in Gefahr einer Klage.

Nun könnte man sagen: Wieder einmal Ungarn, zumal Opernintendant Szilveszter Okovacs als Viktor-Orbán-Protegé gilt.

Nur: So einfach ist die Sache diesmal nicht.

Pragmatisch gesagt: Gershwin sieht in "Porgy and Bess" 19 solistische Rollen und einen zumindest mittelgroßen gemischten Chor vor. Hält man sich an die Vorschrift, das Werk nur mit schwarzen Sängern aufzuführen, ist "Porgy and Bess" in Europa für jedes Haus unter Repertoirebedingungen unspielbar, denn keines hat 19 schwarze Solisten und einen aus Schwarzen bestehenden Chor im Ensemble. Allenfalls kann "Porgy and Bess" noch unter Festspielbedingungen gezeigt werden.

Dass auf die Sänger, die an der Ungarischen Staatsoper in "Porgy and Bess" mitwirken, Druck ausgeübt worden sein soll, die seltsame Erklärung zu unterzeichen, steht freilich auf einem anderen und, sofern es stimmt, höchst unschönen Blatt.