Lange hat es nach diskriminierenden Vorfällen in Europas Fußballstadien und Solidaritätsaktionen, die in den vergangenen Wochen für Aufsehen gesorgt hatten, nicht gedauert, da haben Fans von Lazio Rom einen neuerlichen Tiefpunkt abgeliefert: Vor dem Rückspiel im italienischen Pokalhalbfinale beim AC Milan am Mittwoch zog eine Gruppe römischer Anhänger mit einem den Faschismus verherrlichenden Banner und entsprechenden Gesten durch die Innenstadt, während des Matches selbst gab es immer wieder rassistische Beleidigungen gegen gegnerische Spieler zu hören.

Wie die Polizei am Tag danach bekanntgab, wurden acht Hooligans wegen Verherrlichung des Faschismus angezeigt, was in Italien seit eineinhalb Jahren mit Haftstrafen sanktioniert werden kann; der Klub (der dank eines 1:0 ins Finale aufstieg) verurteilte in einer Stellungnahme zwar das Verhalten "einzelner" Fans, kritisierte aber auch die Medien für angebliche Pauschalisierungen. Freilich sollte man mit solchen vorsichtig sein. Tatsache ist aber auch, dass Lazio-Fans nicht zum ersten Mal in dieser Hinsicht auffällig geworden sind - und dass halbherzige Distanzierungen, garniert mit Gegenangriffen, wenig zur Deradikalisierung beitragen.

Alleine in der Verantwortung steht Lazio nicht, der gesamte italienische Fußball hat diesen und ähnlichen Umtrieben zu lange zugeschaut. Mittlerweile halten Welt- und Europaverband die Ligen und die Schiedsrichter sogar an, Spiele notfalls abzubrechen - was allerdings so gut wie nie passiert. Eventuell könnte man Claudio Gavillucci nach den Gründen fragen - jenen Mann, der im Vorjahr wegen rassistischer Gesänge als erster Referee in Italien ein Match unterbrochen hat. Eingesetzt wird er in der Serie A nicht mehr. Die Rassisten sind allerdings immer noch da.