Den Zeitpunkt seines Abtritts, ob bald oder in weiter Ferne, hätte er lieber selbst verkündet, die Hofübergabe penibel vorbereitet. Doch ganz so einfach wird dies für Uli Hoeneß nun nicht mehr werden. Die Nachricht der "Bild", er würde im November nicht für die Wiederwahl als Präsident des FC Bayern zur Verfügung stehen, verbreitete sich am Mittwoch schneller, als Hoeneß "Mia san mia" sagen kann, vom Tegernsee über den Atlantik in die USA, wo die Münchner gerade auf Tour weilen und die Reaktionen von überrascht bis schockiert gingen.

Auch Hoeneß zeigte sich wenig amüsiert, war es doch nicht er selbst, der die Öffentlichkeit über seine angeblichen Zukunftspläne, die er weder dementieren noch bestätigen wollte, in Kenntnis setzte, sondern eine nicht genannte Quelle. Und wie gern man Maulwürfe an der Säbener Straße hat, ist bekannt. Sie werden dort nun einiges aufwühlen - und Unruhe in den Verein bringen, der sich eh schon in einer heiklen Phase befindet.

Fotostrecke 0 Bilder

Der sportliche Umbruch, symbolisch markiert durch das Ende der Ära Robbéry, ist schon im Gange (wenngleich die groß angekündigte Transferoffensive bisher noch wenig Ergebnisse gebracht hat), jener in der Führungsebene sollte folgen. Doch schon bei dessen Planung scheinen Hoeneß schneller als erwartet die Zügel aus der Hand zu gleiten. Dabei war es stets er, der das Sagen hatte: ob als Manager, als Präsident, als Aufsichtsratschef oder einfach als Uli-für-eh-alles. Bei allen seinen Fehlern - einer brachte ihn bekanntlich ins Gefängnis - hat Hoeneß dem Klub viel gegeben. Dass auch er als Patron alter Schule aber im modernen Fußball mit Ablaufdatum versehen ist, muss er selbst am besten wissen. Dafür hätte es die Indiskretionen gar nicht erst gebraucht.