Das hat er jetzt davon, der András Schiff. "Mit alternativen Fakten" würde er sich "in einen Wahn von der Reinheit der österreichisch-ungarischen Kultur des Klavierspiels" hineinsteigern, donnert die "FAZ". Schiff, quasi der Erfinder der k.-u.k.-Klavierverschwörung. Zwar hat er eine österreichische und eine britische Staatsbürgerschaft, aber als gebürtiger Ungar singt er wohl "Jaj, Viktor, Bruderherz. . ."

Und so prügeln Teile des deutschsprachigen Feuilletons auf Schiff ein, als wäre er der leibhaftige Orbán. Denn Schiff hat seine Mitwirkung bei der Schubertiade abgesagt. Er will Schubert auf einem melancholischen Bösendorfer spielen, nicht auf einem hellen Steinway. Doch Schubertiade-Leiter Gerhard Nachbauer stellt nur Steinways zur Verfügung. Was Schiff in Rage bringt gegen die US-Klavier-Monokultur.

Verstehen kann man beide: Den Virtuosen, der einen bestimmten Klang im Ohr hat und ihn nur auf einem Bösendorfer realisieren kann, und den Intendanten, der sich auf die perfekte Steinway-Infrastruktur stützt. Zwei Dickschädel krachen zusammen - vielleicht vertragen sie sich bald wieder.

Unverständlich bleibt indessen ein Teil der journalistischen Reaktionen: Schiff steigere sich in ein sozusagen nationalistisches Reinheitsdenken hinein? - Ausgerechnet Schiff, der gegen Orbán opponierte? Diesen Künstler in ein nationalistisches Eck zu stellen, ist Unfug. Die Wahl eines Bösendorfers ist schließlich die Entscheidung für das geeigneter scheinende Instrument und kein Akt eines politischen Bekenntnisses.