Wer online nach der Stadt Gunjur in Gambia sucht, tut das wohl aus einem Grund: Bakery Jatta, seit 2016 beim HSV als Profi unter Vertrag, wurde hier geboren. Als Geburtsdatum wird der 6. Juni 1998 genannt, aber wer weiß das schon? Viele Kinder werden in Afrika daheim geboren, und Standesämter sind nicht unbedingt breit gesät. Es ist also gut möglich, dass Jattas Geburtsdatum - so wie bei vielen afrikanischen Fußballern - nicht stimmt.

Dem 21-Jährigen, der 2015 als Flüchtling in die EU eingereist ist, daraus einen Strick zu drehen, wäre also überzogen. Etwas anderes wäre es, sollte Jatta in Bezug auf seine Identität gelogen haben - und nicht Jatta, sondern Daffeh heißen.

Die DFL hat die Spielberechtigung für gültig erklärt, Skeptiker weisen darauf hin, dass einerseits bis 2014 in Gambia offiziell ein Fußballer namens Bakery Daffeh existierte und andererseits die Aussage Jattas, sich das Kicken selbst beigebracht zu haben, nicht unbedingt glaubwürdig erscheint: Dutzende Pflichtspieleinsätze bei deutschen Klubs, 27 Tore und 2,5 Millionen Euro Marktwert sprechen eine klare Sprache. Die Konkurrenz bringt sich in Stellung und fordert eine Annullierung von Partien, in denen Jatta gespielt hat. Ohne Geburtsurkunde aus Gunjur wird das aber schwierig werden. Ebenso eine Abschiebung durch die Behörden, zumal Jatta kein Asyl beantragt hat. Hält ihm der HSV die Stange und liefert er Tore, wird er wohl bleiben dürfen. Er wäre nicht der erste Fußballer, der dank seiner Leistung ein Bleiberecht erwirkt.