Es ist gerade einmal zwei Jahre her, dass Südkorea und Nordkorea anlässlich der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang kameratauglich auf sportlichem Parkett einen Schritt aufeinander zugegangen sind.

Doch wenn man diese sportdiplomatische Symbolpolitik schon so sehen wollte, muss man nun von einem fast noch größeren Schritt zurück sprechen. Am Mittwoch trafen einander die beiden Koreas in Pjöngjang, der Hauptstadt des Nordens, beim Fußball - zum ersten Mal seit 1990 auf nordkoreanischem Boden und im Zuge der WM-Qualifikation. Doch was im Vorfeld als historisch verkauft worden war, erwies sich als Farce: Zuschauer waren ebenso keine zuglassen wie ausländische Medienvertreter, Live-Bewegtbilder gab es keine - dafür im Nachhinein eine Menge Anschuldigungen.

Südkoreas Spieler sprachen von einer Härteschlacht, der Vizepräsident ihres Verbandes, Choi Young-il, will gar Szenen "wie im Krieg" gesehen haben. Das kann man freilich glauben oder nicht, die wenigen Unparteiischen, die dabei gewesen waren, schweigen lieber darüber. Einzig Weltverbandspräsident Gianni Infantino äußerte leise, aber doch Enttäuschung darüber, dass es dann doch nicht das erhoffte Fußballfest, das man sich angesichts der Umstände nur unter Einsatz größtmöglicher Naivität ausgemalt hatte, geworden ist. Dabei betont man doch so oft, dass Sport im Generellen und Fußball im Speziellen dazu geeignet wäre, Brücken zu bauen - und im Kleinen mag dies auch der Fall sein.

Manchmal kann er aber auch Gräben vertiefen. Die Rassismus-Vorfälle in Bulgarien und der Wirbel um den Militärsalut türkischer Spieler lieferten zuletzt weitere mahnende Beispiele dafür - vor allem aber dafür, dass eine Abrüstung der Worte guttun würde. Egal, auf welcher Seite.