In Amerika ist es schon gang und gäbe, auch in Großbritannien kennt man das Phänomen schon. Immer öfter werden Universitäten von einem Ort des akademischen Diskurses zu einer Quelle des politisch-korrekten Haudrauf-Aktivismus. Die ÖH der Wiener Angewandten hat nun dafür gesorgt, dass auch Wien einmal mit solchen Schlagzeilen Furore macht. Montagabend sollte Alice Schwarzer, durchaus bekannt als Berufsfeministin, an der Angewandten eine Stunde lang mit der "Klasse für Ideen" diskutieren. Auf Facebook erschien eine Protestnote der HochschülerInnenschaft der Universität für angewandte Kunst (Hufak) , die den Auftritt verurteilte. Schwarzers Zugang zum Feminismus sei "veraltet und inakzeptabel", auch sei sie wiederholt mit antimuslimischem Verhalten aufgefallen.

Alice Schwarzer steht schon länger im Mittelpunkt einer Art von feministischem Generationenkonflikt. Junge Feministinnen kämpfen heute an vielen Fronten, vergessen dabei aber oft, dass sie das gar nicht könnten, wenn nicht Frauen wie Alice Schwarzer und viele weniger prominente, aber trotzdem mutige Menschen ihnen den Weg geebnet hätten. Seltsamerweise geht dabei auch etwas verloren, das doch der von allen Generationen von Feministen am dringendsten geforderte Wert ist: Und das ist der Respekt.

Respektvoll wäre gewesen, Schwarzers Auftritt zu besuchen und dort mit ihr zu diskutieren. Ihr ein böses Brieferl ans schwarze Brett zu hängen, ist nicht feministisch - es ist kindisch.