Rein sportlich gibt es an dieser Entscheidung wenig auszusetzen: Der ÖFB testet am 30. März in Wien gegen einen EM-Teilnehmer, der als ungefähr gleich stark eingeschätzt werden darf - nämlich die Türkei. Es ist das zweite von vier Länderspielen im Vorfeld der Euro 2020 und das erste von zwei Heimmatches (am 2. Juni folgt der Härtetest im Happel-Oval gegen England).

Aber bei der Türkei als Testspielgegner darf sich der p.t. Fußballfan mit halbwegs außenpolitischer Kenntnis durchaus wundern, wie der ÖFB nur auf diese Wahl gekommen ist. Offenbar haben von Präsident Leopold Windtner abwärts alle vergessen, wie die ihrem "Sultan" Recep Tayyip Erdogan treu ergebenen Kicker mit ihrem Militärsalut in ganz Europa für Befremden und Empörung gesorgt haben. Weil es eine ganz klare Geste der Zustimmung für eine völkerrechtswidrige Intervention in Syrien war. Und um dann in bewährter Täter-Opfer-Umkehr von türkischer Seite (Erdogan) von Lynchkampagne und Diskriminierung zu sprechen, bewies nur, dass der türkische Verband die Werte der Uefa nicht bedingungslos teilt.

Dass Letztere die (verbotene) politische Symbolik immer noch nicht sanktoniert hat, ist beschämend genug; dass der ÖFB so tut, als wäre da nichts gewesen und vielleicht im Sinne hat, mit zahlreichen Austro-Türken wieder einmal das große Stadion zu füllen, ist genauso verwerflich.