Tja, wer hätte das gedacht? Nach dem beispiellosen Ausverkaufsreigen bei Red Bull Salzburg in der Sommerpause - Munas Dabbur, Hannes Wolf, Fredrik Gulbrandsen, Stefan Lainer, Xaver Schlager, Diadie Samassekou und Trainer Marco Rose verließen allesamt den Verein - hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, dass der heimische Serienmeister in dieser Champions-League-Saison recht viel mehr als Achtungserfolge feiern würde. Schon gar nicht in einer Gruppe mit den Spitzenteams Liverpool und Neapel; bestenfalls werde man sich mit dem belgischen Meister Genk um Rang drei streiten können. Dass die völlig neu formierte Truppe derart einschlagen würde und nun am Dienstag im Heimduell mit Liverpool ein wahres Fußballmärchen schreiben kann, hätten im Sommer die kühnsten Optimisten nicht zu prophezeien gewagt. So gesehen hat Salzburg auf der größten europäischen Bühne schon jetzt mehr erreicht als erwartet - und hat von allen 32Champions-League-Klubs sicher am allermeisten für Furore gesorgt. Ein Torverhältnis von 16:11 nach fünf Spielen ist schon einzigartig - 16 geschossene Tore machen sich aber nicht nur gut für das Image des Getränkekonzerns, sondern auch für die Berater von Supertalent Erling Haaland (19), auf dessen Konto die Hälfte der Salzburger Tore gehen und der demnächst wohl für eine zweistellige Millionensumme zu einem Topklub wechseln dürfte.

Da wären aber auch noch die 11bekommenen Tore. Wenn eine alte Formel lautet, dass Offensive zwar Spiele, aber nur Defensive Meisterschaften gewinne, dann ist das (noch) Salzburgs Problem. Eines, das Jürgen Klopp auch bei Liverpool erkannt hat und darob Unsummen in Alisson Becker (Tor) und Virgil van Dijk (Verteidigung) investierte - und dann im Juni prompt mit dem Champions-League-Titel belohnt wurde.