Es soll Gegenden geben, da interessiert man sich nicht einmal für die österreichische Bundesregierung. Im konkreten Fall war diese geographisch nicht einmal sehr weit weg. Denn am Dienstag, zur selben Zeit, zu der Österreichs neue türkis-grüne Ministerriege bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen zur Angelobung angetreten war, ereignete sich auch in München etwas, das beinahe wie ein Staatsakt zelebriert wurde: Oliver Kahn trat in seiner neuen Funktion als Vorstandsmitglied des FC Bayern vor die Kameras.

Nun ist eine solche Präsentation erstens ungewöhnlich und zweitens gar nicht nötig. Kahn kennt man schließlich: als aufbrausenden Titan, als jemanden, der, wie die Bayern-Bosse nicht müde wurden zu betonen, "die Bayern-DNA" verkörpert, dazu hat er Fußball-Fachkenntnis und sich in den vergangenen Jahren wirtschaftliches Know-how angeeignet. Wichtiger scheint den Münchnern aber zu sein, dass er künftig das Gesicht des FC Bayern sein soll, weswegen man ihn zum Einstand für die in knapp zwei Jahren ablaufende Amtsperiode von Karl-Heinz Rummenigge gleich mit einer Garantie auf den Posten des Vorstandschefs ausgestattet hat.

Der innere Umbruch nach der Ära Uli Hoeneß’, der als Präsident von Ex-Adidas-Chef Herbert Hainer abgelöst wurde, und zum Auslaufen jener Rummenigges soll auch äußerlich sichtbar sein. Fürs erste gefiel Kahn sich und dem Publikum in seiner neuen Rolle, auch werde trotz aller gebotenen Emotionalität nicht zu erwarten sein, dass er "durch den Meeting-Raum grätschen" werde, wie er versicherte. Das ist zumindest einmal ein Anfang. Die Erwartungen, die auch mit einem Beinahe-Staatsakt wie diesem geschürt werden, sind aber höher. Es ist ein Spiel, das für die Bayern einen Reiz hat - das aber nicht frei von Risiko ist.