Wie man öffentlich Selbstdemontage betreibt, kann man derzeit ganz gut am SK Sturm Graz beobachten: Da verkündet der Klub-Präsident, Christian Jauk, am Montag via einer Sky-Sendung, dass der Geschäftsführer Sport, Günter Kreissl, sich nach dieser Saison zurückziehen werde, und plauderte gleich einmal aus dem Nähkästchen: Kreissl brauche für sich und seine Familie eine Auszeit, die der Verein ihm "zugestehen" müsse, der Job sei halt schon sehr "kraftraubend". Kreissl hatte die Option eines Rückzugs zwar zuvor anklingen lassen, über die mediale Offensive des Klubchefs war er aber zunächst weniger erfreut. Er finde das Verhalten des Präsidenten unprofessionell, sagte er daher in einer ersten Reaktion, während Jauk, auf seinen Alleingang angesprochen, Störfeuer von außen ortete.

Am Tag darauf versuchte man dann zu retten, was zu retten war. Kreissl bestätigte, dass er die Entscheidung zum Rückzug per Saisonende schon im Sommer getroffen hatte, dass er dem Verein bis dahin aber mit 100 Prozent zur Verfügung stehen werde und ihm möglicherweise in anderer Funktion erhalten bleiben könnte. Doch der Schaden ist angerichtet - er ist hausgemacht und kommt zur Unzeit. Das 1:2 gegen Mattersburg war die zweite Niederlage im zweiten Frühjahrsspiel, das Ticket für die Meistergruppe ist noch nicht gebucht. Angesichts dessen noch öffentlich eine Personaldebatte zu führen, zeugt nicht von großem Fingerspitzengefühl - zudem Jauk nicht nur über Kreissls Abgang, sondern auch gleich über einen möglichen Nachfolger schwadronierte. Chefscout Andreas Schicker sei einer der "Jungen, denen man durchaus das Vertrauen schenken" könnte, sagte Jauk. Doch nach Tagen wie diesen könnte auch das Vertrauen in ihn erschüttert sein.