Dass Rot-Grün Rathaus Wien einen Antrag von Rot-Grün Brigittenau ablehnt - geschenkt. Man braucht nicht alles zu verstehen, was bei Rot-Grün Wien vorgeht.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Nur die Sache selbst, die ist schon ungut. Rot-Grün Brigittenau hat nämlich vorgeschlagen, einen Teil des Höchstädtplatzes in Johann-Koplenig-Platz umzubenennen. Das scheint Rot-Grün Rathaus nicht ins politische Kalkül zu passen. Koplenig nämlich war Kommunist. Offenbar will man sich aus wahltaktischen Gründen vom linken Rand so absetzen wie vom Rechten, weil das Gute und Schöne und wählbar sein Sollende die Mitte ist.

Mag ja sein.

Bloß historisch ist die Ablehnung schwer argumentierbar: Koplenig war Zeit seines Lebens ein strikter Gegner des Nationalsozialismus. 1945 war er namens der KPÖ Mitbegründer der Zweiten Republik und Mitglied der Regierung Renner. Im Richtungsstreit der Partei trat Koplenig 1965 von seiner Führungsfunktion zurück.

Es ist nicht notwendig, dass man prokommunistische oder überhaupt linke Sympathien hat, wenn man der gewiss auch problematischen Gestalt Koplenigs eine Rolle in der Zweiten Republik zuerkennt, die wichtig genug für die Benennung eines Platzes ist. Immerhin erträgt Wien einen Platz, der nach dem Eugenik-Befürworter Julius Tandler benannt ist, und ein Denkmal, das Che Guevara feiert, einen Revolutionär, der Morde begangen und Homosexuelle gefoltert hat.

Angesichts dessen soll einem Mitbegründer der Zweiten Republik der Platzname versagt sein?