Es ist ein viel- und ebenso gerne gehörtes Schlagwort in Zeiten wie diesen: Man müsse die Krise auch als Chance begreifen, sie zur Verbesserung, Erneuerung und Rückbesinnung nutzen. Und in vielen Bereichen stimmt das wohl auch. Dass aber ausgerechnet der Fußball sich nun dieser Hoffnung anschließt, überrascht doch. In kaum einem anderen Sport wurde das olympische Motto vom Schneller, Höher, Stärker in den vergangenen Jahren derart zelebriert wie im Fußball. Gehälter und Ablösesummen explodierten, Jahr für Jahr wurden neue Rekorde pulverisiert und noch mehr Formate erfunden, mit denen man möglichst viel Geld aus dem Produkt herausquetschen wollte.

Nun scheint Solidarität plötzlich auch hier mehr als ein Schlagwort zu sein. Kicker verzichten auf ihr Gehalt, Manager und Experten sprechen davon, dass der Schock eine "heilsame Wirkung für den überhitzten Markt" haben könnte, wie Ex-Schalke-Manager Andreas Müller sagte, und Weltverbandschef Gianni Infantino, der zuletzt noch mit seiner aufgeblähten Klub-WM für Schlagzeilen gesorgt hat, fordert gar "einen Schritt zurück". Nun ist dieser ohnehin eingetreten, ob Fifa, Uefa und Co. dies wollten oder nicht. Die EM wurde schon zwangsweise um ein Jahr verschoben, die Finalspiele in Champions- und Europa League können nicht zum geplanten Zeitpunkt stattfinden, und ob die nationalen Ligen tatsächlich zu Ende gespielt werden können, ist unsicher. In Zeiten wie diesen eine Rückbesinnung zu fordern, ist einfach. Schwieriger wird es, das auch durchzuziehen, sobald die Krise überwunden sein und jeder um sein Leiberl rennen wird - wirtschaftlich noch mehr als sportlich.