Es war wahrscheinlich der wurschteste Aprilscherz seit Erfindung des Aprilscherzes. Am 1. April meldete sich plötzlich Literaturnobelpreisträger Peter Handke auf Twitter und begrüßte neue Follower doch recht flapsig für jemanden, der von Tolstoi, Homer und Cervantes kommt. Nur wenige reagierten überhaupt darauf und fielen gar darauf hinein. Am Tag darauf gab es zwar eine pflichtschuldige Auflösung, aber gekümmert hat das kaum jemanden. Nach dem Motto: "Stell dir vor, es ist 1. April, und keiner geht hin."

Das mag aber auch daran liegen, dass Tage derzeit eine Maßeinheit sind, der man nur noch bedingt traut. Die Gleichförmigkeit aller Tage, der Mangel an Erlebnissen (außer es ist endlich Einkaufstag!), führt ja unweigerlich dazu, dass man längst nicht mehr weiß, welcher Wochentag das heute ist, geschweige denn welches Datum. Die Relativität der Zeit hat eine ganz neue Dimension, oder wie neulich auf Instagram philosophiert wurde: "Es fühlt sich an, als wären Jänner, Februar und März jeder ein eigenes Jahr gewesen." Dazu hat sich mittlerweile auch schon einiges an Witzmaterial angesammelt, in den Sozialem Medien und in den diversen WhatsApp-Gruppen, über die die Menschen jetzt praktisch ausschließlich verbunden sind. Ein wohlmeinender Scherzbold informierte zum Beispiel: "Falls sie das Datum nicht mehr wissen: Heute ist der 59. März." Es kann also durchaus sein, dass der Aprilscherz nicht gezündet hat, weil keiner wusste, dass schon April ist. Sondern der längste
März seit Märzengedenken.