Man kennt das aus dem Sandkasten. Wenn ein Kind dem anderen das Plastikschauferl entwendet, wird nicht lange gefackelt: Das Ding wird notfalls mit angemessener Handgreiflichkeit wieder an sich genommen und so der ordnungsgemäße Zustand wiederhergestellt. So einfach ist das, wenn man zwei Jahre alt ist. Wie alles im Leben ist das bei Erwachsenen etwas schwieriger, und die Grenzen müssen neu bewertet werden.

So etwa in den Niederlanden. Mehrere Aktivisten haben versucht, aus dem dortigen Afrika-Museum eine Skulptur zu stehlen. Begründung: Die Figur sei ohnehin kolonialer Kunstraub.
Sie wollten damit laut eigenen Angaben gegen diesen Kunstraub protestieren. Fünf Menschen aus dem Kongo wurden festgenommen. Die Aktivisten erklärten in einem Video, dass das Museum etwa eine halbe Million Objekte besitze, die während der Kolonialzeit in Afrika gestohlen worden seien. "Wir bringen alles zurück nach Hause. Das ist unser Kulturerbe", heißt es in dem Video.

So einfach ist das aber nicht. Denn wie für alles gibt es in zivilisierten Staaten Gesetze und Gerichte, die solche Dinge klären. Zudem ist das Völkerkundemuseum einsichtig und hat bereits angekündigt, die Rückgabe von geraubten Werken in die Wege zu leiten. Das muss freilich mit historischer Forschung und unter genauer Rekonstruktion der Herkunft und vor allem unter absoluter Transparenz passieren. Sonst läuft die legitime "Rückgabe" Gefahr, selbst zum Kunstraub zu werden.