In beispiellosen Zeiten sind beispiellose Maßnahmen unumgänglich. Unter normalen Umständen hätte das Stilllegen ganzer Branchen auch niemand in Erwägung gezogen. Aber die Corona-Pandemie macht es notwendig, die Ansteckungen auf das geringstmögliche, gerade noch erträgliche Niveau zu drücken. Auch mit Maßnahmen, die so manchen in Verkennung der Tatsachen von Diktatur faseln lassen. Auf einer Demo wohlgemerkt - dem wohl demokratischsten Protestinstrument, das man sich vorstellen kann.

Wie auch immer: Der Demokratie hat die Ausnahmesituation offensichtlich nicht geschadet, denn die Einstellung der Österreicher zur Demokratie hat sich kaum verändert. Nach wie vor stimmen 90 Prozent der Aussage zu, dass die Demokratie trotz Problemen die beste Regierungsform ist. Das hat das "Demokratieradar" erhoben, eine Befragung von Politikwissenschaftern der Universitäten Graz und Krems, die seit 2018 halbjährlich durchgeführt wurde. Auch beim fünften Mal (und damit ersten Mal in der Pandemie) bekam die Demokratie 90 Prozent Zustimmung.

Das ist erfreulich, schließlich ist die Auswahl an anderen Staatsformen ja endenwollend. Und doch: Immerhin scheint bei Fragen die Corona-Krise betreffend die Rationalität zu leiden. Wer es als sicheres Zeichen einer Diktatur sieht, eine Maske zu tragen, um andere, möglicherweise gefährdetere Menschen, nicht anzustecken, sollte den Begriff vielleicht einer Google-Recherche unterziehen.