Unbedarfte Beobachter, die am Dienstagabend durch das Fernsehprogramm zappten (weil: man soll man denn auch sonst tun in Zeiten wie diesen?), waren sich vielleicht nicht ganz sicher: Ging es da um die Moderatoren, von denen man sogar mit Kinderfotos beglückt wurde, um die schönen Kleider oder doch um Sport, wie der Titel der Veranstaltung "Galanacht des Sports" eigentlich nahelegen würde?

Doch die eigentlichen Hauptdarsteller, die es bei diesem Anlass zu ehren galt, bekamen gefühlt die wenigste Sendezeit - was freilich schade ist. Denn die Leistungen, die Dominic Thiem, Ivona Dadic, Red Bull Salzburg, Markus Salcher und Veronika Aigner zu den Sportlern und Sportlerinnen des Jahres machten, waren durchaus beeindruckend - und machen auch in einem verrückten Jahr wie diesem Lust auf mehr Sport.

Vielleicht noch bemerkenswerter als Thiems US-Open-Sieg ist seine Konstanz in den vergangenen Jahren, in wenigen Tagen wird er schon zum fünften Mal beim World-Tour-Finale der besten acht Tennisspieler der Saison in London aufschlagen; auch Mehrkämpferin Dadic hat eine stetige Weiterentwicklung hinter sich und sich mit der Jahresweltbestleistung im Siebenkampf gegen Top-Konkurrenz wie Eisschnellläuferin Vanessa Herzog und die heuer zur Seriensiegerin im Skispringen aufgestiegene Chiara Hölzl durchgesetzt.

Dass Dadic im Weltsport Leichtathletik, in dem Österreich weder mit einer Dichte an Topsportlern, noch mit der nötigen Infrastruktur gesegnet ist, zu den Besten ihrer Branche zählt und im nächsten Jahr bei den Olympischen Spielen sogar um die Medaillen mitkämpfen will, ist die eigentliche Sensation. Bleibt nur zu hoffen, dass die Spiele überhaupt stattfinden können - damit der Sport und seine Protagonistinnen wieder einmal die Hauptrolle spielen.