Man kennt das ja: Kinder, denen man etwas schenkt und die dafür ein trockenes "Was soll das für ein komisches Zeugs sein" über haben, sind nicht die allergrößten Sympathieträger. Und da wundern sich die Wiener, dass sie in Rest-Österreich nicht immer das beste Image haben. Jedes Jahr bekommt die Bundeshauptstadt aus einem Bundesland einen Nadelbaum für den Christkindlmarkt am Rathausplatz geschenkt. Seit einigen Jahren ist es nun schon gar nicht so liebe Tradition, dass dieses GESCHENK nach seinem ersten Aufstellen erstmal gemobbt wird. Das Nadelkleid runtergemacht, die Astdichte kritisiert, es soll sogar einmal das Wort "Klobesen" gefallen sein. Auch heuer wird man den Wienern mit dem christbaumbezogenen Goldfischgedächtnis wieder erklären: Wie jedes Jahr wird sie mit eingebauten Zweigen "aufgeforstet" werden. Denn perfekte Bäume, wie sie so ein Christkindlmarkt vorspiegelt, wachsen nur im Märchenwald. So wie übrigens auch Hühner nicht vakuumiert auf die Welt kommen.

Der Förster von Stift Schlägl im Mühlviertel verteidigte den Baum, der eine Woche lang mit zusammengebundenen Ästen auf dem Lkw gelegen sei: "Wenn der entladen wird, schaut er ein bisschen vernudelt aus. So wie jeder Mensch, der eine Woche lang im Bett liegt und dann das erste Mal aufsteht."

Grämt euch nicht, Mühlviertler. Am Ende wird es wieder der schönste Baum von allen sein. Denn auch da sind die Wiener konsequent.