Meine Großmutter hatte ein Kürzel für dienstliche Korrespondenzen. "Z.K.g." lautete es. Das benützte man seinerzeit, wenn man den Erhalt einer Nachricht bestätigte und den Inhalt "zur Kenntnis genommen" hatte.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.

Eine solche Bestätigung gibt es heute noch. Sie besteht aber nicht mehr aus Buchstaben, sondern hat die Gestalt eines schlichten Bildchens angenommen. Das zeigt eine gelbe Hand, die den Daumen stramm hochreckt.

Eine Hand, die langsam gewaltig nervt. Schon vor der Pandemie gab es kein Entkommen vor ihr, jetzt greift sie nach der Weltherrschaft. Denn sie beschränkt sich nicht mehr auf die Sprechblasen von WhatsApp und Co, sondern ist in die Chaträume des Homeoffice eingedrungen. Und sie entwickelt dort ein regelrechtes Bedeutungswirrwarr. Vorgesetzter A befiehlt etwas - Kollege B hisst den Daumen. Dienstnehmer C scherzt - Mitarbeiter D regt den Finger. Angestellter E stellt eine Entscheidungsfrage - Vorgesetzter F antwortet gelbgliedrig. Also was nun? Markiert der Daumen Kenntnisnahme, Zustimmung, Sympathie? Mitunter ist das schwer zu sagen. Aber das gelbe Bildchen meint es in jedem Fall gut - und bevölkert die Bildschirme wohl deshalb in Heerscharen. Dabei ist es auch schon in den Mail-Verkehr vorgestoßen. Was bekomme ich jüngst als Antwort auf ein Schreiben? Einen fetten Affirmationsfinger. Sonst nichts.

Bei allem Verständnis für die Nützlichkeit des schnellen Daumens hier und da: Es gibt auch andere Symbole. Und Sprache.

Bitte benützen!