Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Das gilt leider auch in Corona-Zeiten. Kaum hatte die Staatsoper am Montag eine Handvoll Covid-Infektionen und einen temporären Probenstopp bekanntgegeben, ergoss sich im Netz die Häme: Wo ist es, das gerühmte Präventionskonzept?

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.

Mit Verlaub, der Hohn ist unangebracht. Die Staatsoper kämpft nach Kräften darum, ihre Fahne im Krisensturm hochzuhalten, und es ist ihr seit Dezember mit rund zehn Aufführungen für ein TV-Publikum geglückt. Eine hohe Schlagzahl an Tests minimiert zugleich die Gefahr für die Künstler. Stimmt zwar: Ein Restrisiko bleibt, und es ließe sich theoretisch noch senken, würde man die Musiker so streng isolieren wie derzeit die Spieler bei den Australian Open. Aber das Tennisturnier in Melbourne dauert nur 14 Tage; die Staatsoper dagegen ist auf einen Saisonbetrieb angelegt, von dem man nun einzelne Abende retten will. Es wäre unmenschlich, eine Dauerquarantäne zu fordern.

So ist das Modell der Staatsoper wohl das beste, wobei ihr Direktor Bogdan Roščić nicht nur durch Tatkraft glänzt, sondern auch durch Talent als Entfesselungskünstler: Er will das grüne Licht für die Öffnung der Museen nützen, um seine Tore für Rundgänge von Architekturfreunden aufzusperren.

Dereinst wird man im Rückblick jene Direktoren würdigen, die sich couragiert gegen die Krise stemmten. Jene der Staatsoper, des Theaters an der Wien, der Salzburger Festspiele, des Konzerthauses werden dazuzählen. Kaum aber jene, die ihre Hände nur dazu aus dem Schoß heben, um sich medienwirksam die Haare zu raufen.