Die Parallel-Premiere bei der Ski-WM in Cortina ist grandios gescheitert. Wobei die Gold-Groteske um Katharina Liensberger nur die Spitze des Eisberges ist, die man zweifelsohne nicht als bloßen Faschingsscherz abtun darf. Ende gut, gar nichts gut. Denn der ganzen Misere zugrunde liegt das Missverständnis, der Kopf-an-Kopf-Kampf der alpinen Skistars würde einen (auch zu vermarktenden) Mehrwert bieten. Doch der ewige Kampf gegen die Uhr und um die Hundertstel ist und bleibt wesentlich interessanter als jener im direkten Vergleich untereinander. (Ausgenommen, man hetzt vier Athleten über einen Kurs mit Sprüngen und Steilkurven wie beim spektakulären Ski-Cross).

Hinzukommt, dass die FIS so lange am Bewerb herumgedoktert hat, dass er endgültig zu Tode reformiert ist: City-Event im Slalomformat, Parallel-Riesentorlauf mit/ohne Qualifikation, mal zwei Läufe, mal nur einer, Teambewerb mal so, mal so .. . am Ende kennt sich kein Mensch mehr aus, peinlicherweise nicht mal mehr die FIS, selbst wenn es um Gold und Silber geht. Kein Wunder, wenn jedes Mal anders ausgehandelt werden muss, wer bei Zeitgleichheit im K.o.-Duell aufsteigen darf: der Bessere der Qualifikation, der Bessere beider Läufe, der Bessere im zweiten Lauf? Wenn TV-Kommentatoren da aussteigen, tut es der Konsument erst recht. Und wenn dann Witterung und Hangtopografie für ungleiche und unfaire Läufe sorgen - wie auch beim Teamevent -, wird es sportlich problematisch: Der Offenbarungseid der FIS ("Wir lernen jedes Mal dazu") ist zwar lieb gemeint, reicht aber nicht mehr aus.

Die Top-Stars, die man mit dem Format eigentlich näher an den Kunden bringen wollte, haben ohnedies längst die Reißleine gezogen und lassen die Parallelformate bei der WM links liegen. Ein Armutszeugnis.