Am Montag endet eine Ära - sofern man die zwei Jahre, die Fritz Keller an der Spitze des deutschen Fußballbundes werkeln durfte, als eine solche bezeichnen kann. Zwei Jahre sind aber eh nicht so schlecht, bedenkt man, zu welchem Schleuderstuhl der Posten avanciert ist, seit das WM-2006-Sommermärchen in einem Albtraum gemündet ist.

Gegen einige Ex-Funktionäre wurde wegen Malversationen ermittelt, auch jetzt interessieren sich die Behörden für die Finanzen. "Wer mich gewählt hat, hat Veränderung gewählt", hat Keller im Jahr 2019 anlässlich des Beginns seiner Amtsperiode gesagt, die der DFB unter das Motto "Vereint. Innovativ. Leistungsstark" gestellt hat.

Nun ja, so leistungsstark, wie man sein wollte, trat man seither nicht auf, neuartig in seiner Rückständigkeit war nur der Grund seines erzwungenen Rückzugs - ein Nazi-Vergleich gegenüber seinem Vize Rainer Koch hatte das Fass zum Überlaufen gebracht -, und mit dem Bemühen, die divergierenden Interessen unter einem Hut zu vereinen, ist Keller grandios gescheitert. Vielmehr brachen alte und neue Gräben erst so richtig auf.

Nun steht der DFB vor einem Scherbenhaufen, denn nicht nur der Präsidentenposten ist de facto bis zur nächsten Vollversammlung vakant - bis dahin übernehmen die Vizepräsidenten Koch und Peter Peters interimistisch -, auch der Vertrag mit dem nicht minder polarisierenden Friedrich Curtius wird aufgelöst; Koch und Schatzmeister Stephan Osnabrügge werden nicht mehr kandidieren. Nach einem geordneten Übergang soll somit ein echter Neubeginn ermöglicht werden, der auch bitter nötig ist.

Doch die Frage, wer es sich antun soll - und gleichzeitig die Kompetenz mitbringt -, die Scherben in dem Sieben-Millionen-Mitglieder-Verband, der vielen mittlerweile als "unregierbar" gilt, zusammenzukehren, bleibt.