Olympia kann eine einmalige Chance im Leben eines Athleten sein. Olympia erzeugt aber auch enormen Druck, unter dem manch gestandene Erwachsene schon zerbrochen sind. Tränen der Enttäuschung sind häufiger zu sehen als jene der Freude. Nicht umsonst nehmen viele neben Seelsorgern und Psychologen im Team auch die eigene Familie zu den Wettkämpfen mit.

Bei diesen Spielen ist das anders. Die Athleten müssen ohne familiäre Unterstützung auskommen, die Regeln sind in der Corona-Blase enorm streng. Umso bemerkenswerter ist die Vielzahl an Teenagern, die für ihre Nationen an den Start gehen. Im Tischtennis trat die österreichische Olympia-Veteranin Liu Jia in der Nacht auf Samstag gegen die zwölfjährige Hend Zaza an, die nur zwei Jahre älter ist als Liu Jias Tochter. Für eine etwaige Niederlage, meinte die 39-Jährige im Vorfeld, würde es keine Entschuldigung geben. "Dann springe ich vom Balkon runter." Der Satz war freilich nicht ernst gemeint, und doch sollte man sich die Frage stellen, was dann Niederlagen erst mit (halben) Kindern machen, auf denen zwar vielleicht weniger Erwartungsdruck lastet, für die das Rundherum aber vielleicht doch etwas zu viel des Guten sein könnte. In Zazas Fall wird sich niemand Wunderdinge erwarten, anders ist das etwa bei der 13-jährigen Skateboarderin Sky Brown, die für Großbritannien antritt und schon 2019 WM-Bronze in Sao Paulo holte. Zwischen jenen Titelkämpfen und ihrem Olympia-Auftritt lag ein schwerer Trainingsunfall, bei dem sich Brown einen Schädelbasisbruch sowie Arm- und Handfrakturen zugezogen hatte. Der Vorfall nährte die Zweifel, ob sich so junge Menschen, getrieben entweder von elterlichem oder eigenem Ehrgeiz sowie einer Werbe- und Social-Media-Maschinerie, wirklich zu Höchstleistungen drillen müssen. Natürlich: Früh übt sich. Und junge Teilnehmer hat es immer gegeben, manche schafften es aufs Stockerl. Als jüngste Olympiasiegerin gilt Marjorie Gestring, die 1936 im Wasserspringen gewann - einer Sportart, bei der neben Turnen immer wieder Minderjährige zu sehen sind. Nun kommt mit Skateboarden eine weitere dazu, die in diese Kategorie fällt. So wird es Sky Brown auch mit der nur unwesentlich älteren Deutschen Lilly Stoephasius zu tun bekommen. Österreichs Starterin Julia Brückler ist dagegen schon 31 Jahre alt.

Jüngste Olympia-Teilnehmerin im rot-weiß-roten Team ist Schwimmerin Lena Grabowski, die diesen Status "sehr, sehr cool" findet. Aber Grabowski ist auch "schon" 18 Jahre alt, hat sich in den vergangenen Jahren stetig gesteigert, und man darf annehmen, dass für sie das Olympia-Wasser, in das sie nun springt, kein allzu kaltes mehr ist. Von allen wird man das nicht behaupten können. Nicht umsonst wurden vor einigen Jahren die Jugendspiele ins Leben gerufen, um auch Jüngeren eine weitere Plattform zu bieten. Es muss ja nicht gleich die allergrößte Sportveranstaltung sein, das Motto "schneller, höher, stärker" nicht zwangsläufig in "schneller, höher, jünger" umfunktioniert werden. Denn schnell können Träume auch zerplatzen. Dann geht es ihnen wie den Seifenblasen, die manche nicht allzu viele Jahre davor vielleicht noch im Kinderzimmer hatten.