Kommt er? Bleibt er doch? Während die Fans in Paris in Erwartung der Messi(as)-Erscheinung schon auf dem Flughafen campieren, klammerten sich jene in Barcelona an jeden noch so kleinen juristischen Strohhalm. Obwohl sowohl Barcelona-Präsident Joan Laporta als auch der Spieler selbst vorige Woche tränenreich das Ende der Zusammenarbeit verkündet hatten, sollen die Verhandlungen mit der Liga, die dem hochverschuldeten Verein einen engen Finanzgürtel geschnürt hatte, am Dienstag in der Früh in die Nachspielzeit gegangen sein. Geht da vielleicht doch noch was?, lautet die - äußerst leise - Hoffnung vieler. Barcelona dementierte umgehend, am Nachmittag landete Messi dann tatsächlich in Paris.

Natürlich endet in Barcelona damit eine Ära, doch man wird gut daran tun, Messi nicht allzu lange nachzutrauern, sondern sich mit dringend notwendigen Aufräumarbeiten zu beschäftigen. Denn seit dem Champions-League-Triumph 2015 in Berlin ist in Barcelona so ziemlich alles schiefgelaufen, was nur schiefgehen konnte. Auf dem Spielermarkt war nur noch das Beste - oder besser: das Teuerste - gut genug, mehr als eine Milliarde Euro hat Ex-Präsident Josep Maria Bartomeu seither investiert, auch die Rekordablöse von 220 Millionen Euro, die Paris Saint-Germain für Neymar auf den Tisch legte, waren schneller verblasen, als die Tinte unter dem Vertrag trocken war; die Altgehälter stiegen. Doch bei all dem hat Bartomeu erratisch agiert und gleich sechs Sportdirektoren verschlissen, kontinuierliche Entwicklung, für die Barca mit seiner Nachwuchsschmiede einst bekannt war, war so nicht mehr möglich. Vielleicht sollte sich der Verein, der doch més que un club sein will, wieder auf alte Stärken konzentrieren, dann wird man auch wieder eine neue Identität finden - irgendwann hätte das so oder so auch ohne Messi gehen müssen.

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