Die hauptberuflichen Kuratoren des Baltimore Museum of Art konnten sich kürzlich ein bisschen zurücklehnen. Denn dort haben jetzt die Museumswächter eine Ausstellung zusammengestellt. Genau, jene praktisch unsichtbaren Menschen, die mit manchmal strengem, manchmal gelangweiltem Blick aufpassen, dass man nicht zu nahe an ein Bild oder eine Skulptur rangeht, womöglich etwas einsteckt oder gar irgendetwas dazumalt.

Nun gibt es wohl tatsächlich kaum jemanden, der sich länger mit bestimmten Kunstwerken beschäftigt als diese Museumswächter. Sie haben es tage- bis wochenlang vor Augen, es geht gar nicht anders, als dass sie eine Beziehung dazu aufbauen. Insofern ist es spannend, einmal die Sicht dieser Kunstrezipienten zu zeigen. Einer holte etwa einen Max Ernst aus dem Depot, der seit Jahren nicht gezeigt wurde, weil sonst bekanntere Werke des Surrealisten ausgewählt werden. Einer setzte ein politisches Zeichen: Weil er keine Arbeit, die so wie er puertorikanischen Ursprungs ist, in der Sammlung fand, ließ er den Platz an der Wand leer. Und einer entschied sich für eine Sesselskulptur - weil er sie schon einmal bewachen musste und immer fantasierte, wie es wohl wäre, sich kurz auf ihr auszuruhen.

Schön, dass diese sonst stummen Aufpasser aus der Unsichtbarkeit geholt werden. Und, wie einer von ihnen dem "Spiegel" erzählt: Sie sind nicht notwendigerweise stumm. Sie freuen sich sogar, wenn sie angesprochen werden. Auch ganz ohne Kuratorenstelle.