Meldungen über "historische Tiefststände" beim Konsum sind in Zeiten des Hedonismus selten. Vor allem, wenn es um alkoholische Getränke geht, ist Österreich in der Regel nicht bei den Kostverächtern zu finden. Und dennoch macht eine Meldung von einem dramatisch sinkenden Bierkonsum die Runde. Fakt ist: Während der Corona-Krise haben die Menschen in Österreich weniger Bier getrunken als je zuvor. Lag der Pro-Kopf-Konsum im Wirtschaftsjahr 2019/20 noch bei rund 107 Litern, sank er im Zeitraum von Juli 2020 bis Juni 2021 um 3,5 Liter auf 103,6 Liter. Dies wies die Statistik Austria in einer Studie aus.

Wer jetzt glaubt, die Österreicher wären in sich gegangen und hätten Umkehr in Sachen flüssiger Ernährung gehalten, liegt jedoch falsch: Grund für den gesunkenen Bierkonsum dürften die Schließungen von Restaurants und Bars wegen der Corona-Pandemie gewesen sein. Es wurden also lediglich die Anlässe eingeschränkt, nicht jedoch der Wille zum Konsum.

Das ist nachvollziehbar. Auch die Kulturinstitutionen, allen voran die vom Publikum abhängigen, haben die volle Breitseite an Ausfällen einstecken müssen. Da saßen die Menschen ja auch nicht mit dem Reclam-Heft zu Hause, um sich dem Literaturkonsum eben in den eigenen vier Wänden hinzugeben.

Das Gute ist: Der Effekt ist wohl reversibel. Sobald die Corona-Gefahr geringer ist, wird der Konsum wieder anziehen. Gut für das Theater, schlecht für die Leber.