Am Wochenende wurde in Reykjavík der Europäische Filmpreis verliehen. Ist das irgendwem aufgefallen? Das Problem dieses Preises ist seit jeher, dass ihm das Selbstbewusstsein fehlt; TV-Übertragung gab es keine, immerhin einen Livestream auf der Website der European Film Academy, die sich als Pendant zur Oscar-Academy in den USA sieht. Oder eher: nicht sieht. Denn wäre der Oscar das Vorbild, ginge die überlange Gala nicht in einem eher überschaubar dimensionierten Theater über die Bühne, sondern an einer glamouröseren Location.

Aber das Funkeln ist eben nicht die Sache des europäischen Films, könnte man meinen. Wiewohl mit Ruben Östlunds "Triangle of Sadness" ein Film der große Abräumer des Abends war, in dem es um die Luxusyachten der Reichen und Schönen geht - der Film ist allerdings eine Satire auf die Noblesse. Und war als Gewinner erwartet worden. Immerhin wurde mit Vicky Krieps eine Schauspielerin prämiert, die als Sisi in Marie Kreutzers dreifach nominiertem, aber sonst leer ausgegangenen Film "Corsage" Vielschichtigkeit zeigt.

Und sonst? Es gab auch viele Verlierer, die einen Preis verdient hätten - etwa Lukas Dhont für "Close". Oder Alice Diop für "Saint Omer". Auch Ali Abbasis "Holy Spider" wäre preiswürdig gewesen. Namen, die Ihnen so gar nichts sagen? Da ist es wieder, das Problem mit der Wahrnehmung des europäischen Films. Daran werden wohl auch Galas wie der Europäische Filmpreis nichts ändern, solange sie schnarchfad bleiben.