WZ Christian Mayr - © Wiener Zeitung

WZ  Christian Mayr

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Erfolg schweißt zusammen - und Misserfolg bewirkt meist das Gegenteil. Das lässt sich aktuell gut bei Österreichs wohl wichtigsten Sportverband, dem ÖSV, beobachten. Die Zeiten von Seriensiegen und Seriensiegern (männlichen wie weiblichen) sind längst vorbei - und so brechen nun zwei Jahren nach der drei Dekaden währenden Erfolgsära von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel und zwei Jahre vor der Heim-WM in Saalbach die Dämme.

Da holt ein ÖSV-Vizepräsident (Patrick Ortlieb) live im Fernsehen (Servus-TV) zu einem Rundumschlag aus und attestiert der früheren Führung "einen Sauhaufen" hinterlassen zu haben; da richtet ein Rennsportleiter (Thomas Trinker) seinen heuer chronisch erfolglosen Damen via TV-Kameras aus, einfach schlecht zu sein; das lassen sich die so öffentlich Geprügelten wiederum nicht gefallen und geben den schwarzen Peter retour, da die Verunsicherung großteils aus dem Umsturz in der Trainerriege resultiere.

Und bekommen nun auch Unterstützung vom zornigen Ex-Präsidenten, der via "Kleine Zeitung" seine auferlegte Zurückhaltung ruhen lässt und gegen Ortlieb und Co. ätzt. Auch Schröcksnadel sieht die Ursache an der plötzlichen Misere, dass die gegangene Führungsriege schlicht zu viel Know-how abgezogen hätte: "Mit Toni Giger, Patrick Riml, Edi Unterberger und Christian Mitter hat man vier Top-Kräfte ziehen lassen. Und es gibt kein Unternehmen, das so einen Aderlass ohne Spuren verkraftet." Das wiederum führt uns zu seiner Nachfolgerin Roswitha Stadlober, die für ihre Personalrochaden ja viel Zuspruch erhalten hatte - der damaligen Kritik der "Wiener Zeitung" zum Trotz. Eine Kurskorrektur (im Sommer) ist nun unumgänglich.

Die erste Frau an der ÖSV-Spitze lässt aber in der Krise, die nicht bloß sportlicher Natur ist, jegliche Führungsqualitäten vermissen und kann nicht für die nötige Ruhe sorgen. So gesehen hat Ortlieb recht: Der ÖSV gibt das Bild eines Sauhaufens ab.