Die führenden US-Präsidentschaftskandidaten der Republikaner waren in der Debatte über einen heimlichen Angriff gegen den Iran oder Morde an seinen Wissenschafter unheimlich offen. Vielleicht ist es ein Zeichen, dass man die US-Politik im Ausland nicht sehr ernst nimmt - die Hetzreden erregten in Nahost jedenfalls kaum Aufsehen. Vielleicht glaubt man dort aber auch, dass der verdeckte Krieg schon begonnen habe - mit tödlichen Operationen von Israels Mossad, ganz so, wie die Republikaner sie unbedingt von der CIA sehen wollen. Wenn die andere Seite denkt, die Auseinandersetzung sei schon im Gange, birgt das allerdings die Gefahr, dass sie sich gezwungen fühlt, zurückzuschlagen.

Die Sprache der republikanischen Kandidaten war erstaunlich, zumindest für jene, die unter verdeckten Aktionen solche verstehen, über die man nicht offen diskutiert - und schon gar nicht in Wahlreden. Nicht zuletzt durch leicht dahingesagtes Gerede über das als Folter eingestufte Waterboarding und das "Entfernen" von iranischen Wissenschaftern scheint sich die Partei ins Jahr 2006 zurückzubewegen.

Die Aussagen der führenden Kandidaten sind bestürzend. Was ist es, was sie am Wort "verdeckt" nicht verstehen? Wie würden die USA auf ähnliche öffentliche Drohungen von iranischen oder syrischen Politikern reagieren? Diese Art von losem Geschwätz ist einer der Gründe, warum die Welt die CIA nicht mehr so ernst nimmt wie früher. Was so oberflächlich diskutiert wird, verliert einiges an Glaubwürdigkeit.

Insgeheim würden viele politische Führer der Golfregion es gern sehen, wenn die USA (und wahrscheinlich auch Israel) den Iran unter Beschuss nähmen - allerdings nur, solange sie selbst dabei nichts abbekommen. Das ist das Risiko eines verdeckten Krieges: Der Feind kann verdeckt antworten, wo immer und wann immer er will. Das ist der Grund, warum die Golfstaaten so nervös sind angesichts der schiitischen Oppositionsbewegung in Bahrain und der schiitisch-geführten Regierung von Nouri al-Maliki im Irak. Sie betrachten sie, wenn auch nicht immer zu Recht, als Waffen aus dem iranischen Geheimarsenal.

Tatsächlich ist die Auseinandersetzung über das Atomprogramm des Iran "die kubanische Missile-Krise in Zeitlupe", um die Worte des Harvard-Professors Graham Allison zu gebrauchen. Das Problem gleicht völlig jenem, das US-Präsident John F. Kennedy im Oktober 1962 zu bewältigen hatte. Die Pentagon-Generäle forderten lautstark, Kennedy müsse die sowjetischen Missile-Stützpunkte auf Kuba bombardieren. Dieser erkannte aber, dass es keine Frage von alles oder nichts war und ein Bombenangriff zwar möglicherweise der letzte Schritt sein würde, nicht aber der erste. Kennedy beschloss - gegen den Rat der meisten Berater -, Kuba unter Quarantäne zu stellen.

Eine ähnliche Isolation beim iranischen Atomprogramm könnte viele Formen annehmen. Vernünftig angelegt würde es die Unterstützung der meisten Verbündeten der USA erhalten. Es würde darauf abzielen, den UNO-Resolutionen Geltung zu verschaffen. Friedlich.

Übersetzung: Redaktion