"Na, Sie können eine Lederhose auch ausfüllen." Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau so einen Satz sagt, ist sehr gering. Er würde aber das Gegenstück zu dem liefern, was FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle zu einer "Stern"-Journalistin an einem Abend sagte. Und nicht nur das. Der Busen-füllt-Dirndl-Spruch ist alt, äußerst beliebt bei älteren Männern und Grund genug für die Journalistin, die sexuellen Anspielungen publik zu machen. Gut so. Denn Belästigungen jeder Art sollten nicht einfach so hingenommen werden. Übergriffe, auch wenn sie nur verbal passieren, sind Teil des gesellschaftlichen Zusammenspiels und sollten somit auch öffentlich debattiert werden können. Deshalb muss Mann nicht gleich geköpft werden, müssen auch keine Wahlen verloren gehen oder muss die Bevölkerung hitzig darüber abstimmen, ob das okay ist oder nicht.

Ina Weber.
Ina Weber.

Es geht um Respekt


Es geht vielmehr um Ehrlichkeit und Respekt. Und ehrlich gesagt, sehen wir sie uns an, die Reihe derer, die politische und wirtschaftliche Entscheidungen treffen, die Köpfe der Mächtigen, meist männlich, und wie sie mit und über Frauen reden. Es geht um eine ständige Beurteilung des Äußeren. Frauen müssen Schönheits-OPs über sich ergehen lassen, um Männern zu gefallen. Es ist normal, dass viele sich prostituieren, die machen das ja, weil sie es wollen, immerhin ist es das älteste Gewerbe der Welt, da kann man halt nichts machen, heißt es. "Das ist halt so", hört man allzu oft. Oder: Ein bisserl Spaß machen werde man ja noch dürfen.

Der große Unterschied


Frauen müssen dieses Spiel oft hinnehmen, das einen bitteren Nachgeschmack hat. Denn irgendwo muss da ein Zusammenhang bestehen zwischen den Männern, die am Drücker sitzen, und den Frauen, die Dirndln ausfüllen könnten. Allzu oft werden Machtpositionen von Männern ausgenutzt. Auch fehlt den meisten jegliches Unrechtsbewusstsein. "Das sind ja Komplimente", heißt es dann. Wozu hat es Alice Schwarzers "Emma" gebraucht, wenn der Satz "Das ist halt so" noch immer Gültigkeit hat. "Der kleine Unterschied" (so heißt auch Schwarzers Buch) berechtigt den Mann noch lange nicht, einen großen daraus zu machen.