Um es gleich vorweg zu sagen: Der Präsident des Wiener Konzerthauses gibt im laufenden Geschäft nicht den Ton an. Weder bestimmt er das Musikprogramm, noch ist er Geschäftsführer: Für diese Bereiche trägt Intendant Matthias Naske die Letztverantwortung. Der Präsident hat beratende und kontrollierende Funktion, er steht an der Spitze des Direktoriums. Kurz: Dies ist ein Ehrenamt.

Da nimmt es freilich wunder, mit welchem Elan zuletzt um den Posten gerungen wurde. Erst scheiterte einer, nämlich Claus Raidl, an internen Widerständen. Dann wird es ein anderer, nämlich der ehemalige Raiffeisen-Boss Christian Konrad, und bringt diverse Vertrauensleute mit. Von denen manche natürlich ein sehr enges Verhältnis zum Giebelkreuz haben. Auch Gert Korentschnig, Kulturchef und stellvertretender Chefredakteur des "Kurier", sitzt nun im Direktorium; er wird die anspruchsvolle Aufgabe meistern müssen, zugleich ein objektiver Journalist zu bleiben. Kritiker orten aber ein viel größeres Problem: die Vereinnahmung des Hauses durch die Raiffeisen.

Eine Befürchtung, die Naske zu zerstreuen versucht: Die Gefahr, dass sich Konrad ins künstlerische Geschehen mengt, sieht er nicht. Dafür neue Chancen: Das Konzerthaus, das unter alten Umbauschulden und einer starken Unterdotierung stöhnt, könnte nicht zuletzt durch die Hilfe von Konrads Kreis wieder aufatmen - und der Stadt ein offenes und kreatives Programm ohne Daseinsängste liefern. Sonst drohe ein Kommerzbetrieb. Den will Naske auf alle Fälle vermeiden. Bleibt zu hoffen, dass der Preis dafür nun nicht zu hoch ist.