Der ÖFB hat ein besonderes Gespür für den Augenblick. Anderswo in Europa wäre es wahrscheinlich völlig undenkbar, just zwischen zwei WM-Qualifikationsspielen - die atmosphärisch gewiss nicht unbedeutend sind - eine für die Zukunft entscheidende Weichenstellung in einer Präsidiumssitzung vorzunehmen. Ganz offensichtlich passiert das deshalb, weil es jetzt plötzlich schnell gehen, Teamchef Marcel Koller schon per Oktober abgesetzt und Sportchef Willi Ruttensteiner gefeuert werden soll. Speed kills, denken sich wohl die wieder mächtig gewordenen ÖFB-Landesfürsten. Warum man all das nicht schon vor drei Wochen beim jüngsten Präsidium bewerkstelligen konnte, ist rätselhaft. Ein harter Schnitt und klare Ansagen wären angesichts der sportlichen Misere vertretbar gewesen. So wurde das Problem aber verschleppt, wodurch just zu den beiden Matches heftig öffentlich gestritten wird.

Auch die Spieler, die sich nun beklagen, dass man sich angesichts der Unruhe schwerlich auf den Fußball konzentrieren könne, haben ihren Beitrag geleistet, indem sie die Debatte mit ihrer offenen Kritik erst befeuert haben. Warum haben Julian Baumgartlinger und Co. das Vorgehen nicht schon vor drei Wochen angeprangert? So gesehen ist der 3:2-Sieg gegen Serbien ein kleines Wunder.

Jedenfalls sind nun alle angepatzt: die "bösen" Landeschefs, der "schwache" Präsident, die am alten Stab hängenden Spieler. Die denkbar ungünstigsten Verhältnisse für jeden neuen Teamchef.