Tamara Arthofer leitet das Sportressort der "Wiener Zeitung".
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Am Ende hat es nicht gereicht. Dabei hätten es viele Kroatien vergönnt, dieser kleinen Nation mit der großen Fußballbegeisterung, deren Team als einziges dreimal in die Verlängerung musste, dabei enorme Willenskraft bewiesen und auch im Finale attraktiven Fußball gespielt hat. Doch wenn man schon kein Glück hat, kommt halt oft das Pech dazu - im Fall Kroatiens in Form eines Freistoßes, der keiner hätte sein dürfen, und des Ball-Abfälschens durch Mario Mandžukić, das zum 0:1 führte. Wie umstritten auch die Entstehung des 1:2 war, zeigte das Zögern des Schiedsrichters beim Videobeweis, ehe er auf Hands und damit Elfmeter entschied. Danach nahm das Unheil aus kroatischer Sicht seinen Lauf, daran konnten weder der aufopferungsvolle Kampf noch der Patzer von Hugo Lloris vor dem 2:4 etwas ändern. Es ist alles für Frankreich gelaufen in diesem Finale. Dennoch - und obschon das Resultat klarer war, als es die Kräfteverhältnisse auf dem Platz waren - muss man den Franzosen neidlos zum Titel gratulieren. Angeführt von Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarović, die im strömenden Regen stehend alles andere als den begossenen Pudel gab, haben dies die Kroaten auch fair getan. Die Franzosen mögen während des Turniers nicht den spektakulärsten Fußball gespielt haben, sie waren aber die Konstantesten, haben auf Pragmatismus und ein Kollektiv gesetzt, in dem jeder mitverteidigt und geduldig auf den einen Moment wartet. Und sie haben Einzelspieler, die diesen einen Moment zu nutzen wissen, wie den 19-jährigen Kylian Mbappé, der mit seinen Sprints Usain Bolt Konkurrenz machen könnte. Wie überhaupt die WM keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse gebracht hat, so hat auch die Équipe dem Fußball keinen neuen Stil verpasst. Dennoch könnte sie mit ihren jungen, taktisch perfekt geschulten Profis die Richtung für die kommenden Jahre vorgeben.