Seither gab es viele Proteste, Demonstrationen und auch Diskussionen zwischen dem Innovationsminister László Palkovics und den Betroffenen. Doch geändert hat sich an dem Plan im Wesentlichen nichts. Zwei Drittel des Budgets soll nicht mehr direkt der Akademie zur Verfügung stehen, sondern über das neu Eötvös-Lóránd-Netzwerk verteilt werden. Dieses wird von einem zwölfköpfigen Kuratorium geführt, das je zur Hälfte aus Entsandten der Regierung und aus Akademie-Mitgliedern besteht. Alle Mitglieder des Kuratoriums werden aber letztlich vom Regierungschef ernannt. Der Minister Palkovics hatte die geplanten Veränderungen damit begründet, dass "die Ressourcen leistungsbasiert verteilt" und die technologische Wettbewerbsfähigkeit des Landes gesteigert würden. Zwar findet auch der Akademiechef Lovász, dass die Innovationskapazität der Wissenschaft in Ungarn verbesserungswürdig ist -allerdings sieht er für dieses Ziel keinerlei Konzept in der jetzt geplanten Reform. Vielmehr sieht er die Grundfinanzierung gefährdet - und damit die Zahlung laufender Gehälter für das Basispersonal, laufende Verträge für die Nutzung von Ausrüstungseinrichtungen und laufende internationale Kooperationen.

Vor allem aber, fürchtet Lovász, würde die Fähigkeit der 15 Forschungszentren und 150 Forschungsgruppen bei Synergien verloren gehen, wenn sie sich nicht mehr selbst verwalten dürfen. Etwa bei laufenden Forschungen zu Umweltprojekten und zum Klimawandel ist interdisziplinäre Zusammenarbeit gefragt, ohne dass man diese jedes Mal erst einem Politiker erklären muss. Unabdingbar sei auch die Grundlagenforschung - eben jenes freie Stöbern in den Eingeweiden der Natur, ohne dass bereits ein praktischer Nutzen sichtbar ist, auf dessen Basis man projektbezogene Fördergelder beantragen kann. Dies könne nur eine kontinuierliche, gesicherte Finanzierung ermöglichen.

Angst, dass das Gängeln der Wissenschaft Schule macht

Sollte Ungarn diese Reform durchziehen, sieht Lovász zudem die Gefahr, dass andere EU-Regierungen diesem Beispiel folgen, denn die Versuchung, die Wissenschaft zu kontrollieren sei immer groß.

Viel Unterstützung - außer moralischem Beistand - erhofft sich Lovász aus Brüssel nicht. Vermutlich deswegen maß er am Mittwoch auch einem brieflichen Hilferuf des ungarischen Physikers János Kertész an den deutschen Unions-Spitzenpolitiker Manfred Weber keine große Bedeutung bei. "Dieser Brief wurde nicht im Namen der Akademie geschrieben", sagte Lovász. Von einer Antwort sei bisher nichts bekannt. Lovasz erklärte sich aber für entschlossen, in seinem Land weiter für die Freiheit der Wissenschaft zu kämpfen. Denn anders als die CEU "können wir nicht nach Wien auswandern".