Das Wirtschaftswachstum beträgt zwar an die vier Prozent. "Aber das reicht nicht, um die ökonomischen Probleme zu lösen", stellt Isa Mustafa, Vorsitzender der Mitte-Rechts-Partei Demokratische Liga (LDK), fest. Die Wirtschaft müsste doppelt so stark wachsen. Dafür müsste die Korruption bekämpft, Unternehmertum gefördert, das Vertrauen der Investoren und der Bevölkerung in die staatlichen Strukturen gestärkt werden, zählt der Oppositionspolitiker auf, dessen Fraktion bis 2017 an der Regierung war. Das jetzige Kabinett macht der Ex-Premier sowohl für die steigende Arbeitslosigkeit als auch für eine Abkühlung in den Beziehungen mit der EU verantwortlich. Außerdem sei das von Haradinaj angeführte Bündnis aus mehreren Parteien, die aus der Kosovo-Befreiungsarmee UCK hervorgegangen oder Minderheitenlisten sind, handlungsunfähig. Denn die mitregierende Serbische Liste habe die Koalition verlassen, und deren Mehrheit im Parlament sei dahin.

Aufgeblasene Verwaltung

Mustafa plädiert für eine vorgezogene Wahl. Auch einen Misstrauensantrag gegen die Regierung schließt er nicht aus. Mit wem allerdings seine Partei im Falle eines Wahlsiegs koalieren würde, ist völlig offen. Und selbst nach einer Neuwahl ist unklar, wie viel sich an den politischen Strukturen ändern würde. Die Verwaltung ist aufgeblasen, es gibt fast zwei Dutzend Ministerien und beinahe vier Mal so viele Vizeminister. Von den untereinander teils tief zerstrittenen Parteien hängen etliche Jobs ab.

"Das Land wird angeführt von Politikern, die sich auf Klientelismus verlassen und die internationale Gemeinschaft glauben lassen wollen, dass sie die Probleme lösen werden. Aber sie sind nicht verlässlich", befindet die Investigativjournalistin und Aktivistin Xharra, die in Prishtina das Recherchenetzwerk BIRN leitet. Als eine der größten Gefahren für Gesellschaft und Demokratie sieht sie einen Mangel an Rechtsstaatlichkeit an. Es ist nur eine von mehreren, die der Kosovo selbst bekämpfen müsste.