Sie sprechen von der Flüchtlingshilfe im Rahmen des EU-Türkei-Deals. Die EU-Kommission sagt, dass der Großteil der zugesagten Mittel sehr wohl schon geflossen sei. Ein anderer sei an bestimmte Projekte gebunden, die nun einmal über einen längeren Zeitraum laufen. Abgesehen davon: Ist aus Ihrer Sicht ein neues Abkommen nötig?

Das Abkommen gilt. Doch ändern sich im Laufe der Zeit die Anforderungen. Die erste Tranche von drei Milliarden Euro floss in Notfall-Hilfe: Essen, Wasser, Unterbringung. Die zweite Tranche wird für Aus- und Weiterbildung, für Integrationsmaßnahmen verwendet. Die Kooperation zwischen der EU und der Türkei sollte fortgesetzt und ausgebaut werden. Denn es ist die Türkei, ein Nicht-EU-Mitglied, die der Union die Hauptlast in der Flüchtlingskrise abnimmt.

Griechenland wirft der Türkei aber jetzt vor, das Abkommen aufzuweichen und die Grenzen zur EU weniger strikt zu kontrollieren.

Die Vereinbarung sendet mehrere Botschaften an syrische Flüchtlinge. Etwa: Bleibt in der Türkei, ihr bekommt hier Hilfe. Und: Reist nicht illegal in die EU ein, denn ihr werdet zurückgeschickt. Die Türkei hat allein heuer an die 300.000 Menschen von der Überfahrt nach Griechenland abgehalten. Umgekehrt sind nach unseren Schätzungen seit 2016 von den Millionen Flüchtlingen an die 60.000 Menschen trotzdem in die EU gelangt. Griechenland hat von seinen Inseln aber in der Zeit nur 1906 Menschen zurückgeschickt. Außerdem verlegt es jetzt die Flüchtlinge aufs Festland, von dem diese einfacher weiterreisen könnten. Das sind die falschen Signale an die Menschen.